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Verhängnis S.

[13.10.02, so, 12:55]

Ich weiß noch nicht, wieviel ich schreiben werde, möchte die Seite aber schon mal anlegen.

Ich denke noch viel, wenn auch nicht mehr schmerzvoll, an S. und mich. Immer wieder. Vielleicht hilft es auch mir in diesem Fall, die Gedanken loszuwerden, wenn ich sie einmal aufgeschrieben habe.

Dann muß ich sie mir ja nicht mehr merken, da sie an einem anderen Ort festgehalten werden.

 

Die Beziehung zwischen S. und mir durchziehen mehrere rote Fäden.

Einer davon ist, daß S., was zwischen uns war, wie intensiv es auch war (S.: "Soviel Streß habe ich in noch keiner Beziehung gehabt!"), nie als Beziehung bezeichnet hat.

Ein anderer wird in folgendem deutlich: Als wir uns das erste Mal trafen, bot ich S. an, mich doch beim Laufen zu begleiten. Sie stellte sich vor, das auf Inlinern zu tun.

Irgendwann an einem Sonntag rief sie an oder rief ich sie an ... ich werde das nicht nachsehen.

Ohnehin werde ich das meiste aus dem Kopf schreiben und sehr verkürzt. Ich möchte einiges Grundlegende aufzeigen, keine Komplettanalyse vornehmen.

In eher kurzer Darstellung möchte ich zeigen, warum das jetzige unschöne Ende vorprogrammiert war, der Titel der Seite, Verhängnis, gerechtfertigt ist.

 

S. und ich riefen uns an. Sie wußte nicht so recht, ob sie nun kommen sollte oder nicht. Als ich das spürte, sagte ich: sie müsse sich jetzt nicht entscheiden. Ich würde erst dann und dann starten. Wenn sie bis kurz davor anruft und sagt, sie will mitkommen, ist es okay. Wenn sie sich nicht mehr meldet, starte ich ohne sie.

Plötzlich sagte sie: Okay, ich komme mit.

Monate später sagte sie einmal, ich hätte sie überredet, eigentlich wollte sie ja nicht, hätte viel lieber zu Hause rumgehangen. Dabei lachte sie zwar, aber ich glaube, sie meinte es ernst.

 

Ein nächster und drastischerer Faden zeigt sich in folgendem: Als wir uns das erste Mal trafen, erinnerte ich S. an einen Mann, mit dem sie vor Jahren ein unangenehmes Erlebnis hatte, sie hat nie genauer darüber gesprochen. Vor diesem Mann hatte sie sich sehr unwohl gefühlt, teilweise geekelt. So hat sie sich auch bei mir unwohl gefühl, teilweise geekelt.

Das habe ich ihr nicht angemerkt, obwohl sie aber nicht die ganze Zeit ihre Gefühle übertünschte.

Als wir bei mir in der Wohnung waren und ich mein Arbeitszimmer zeigte, sah sie auch mein Bett: ich habe ein Arbeits-Schlaf-Zimmer.

Mein Bett löste in ihr unangenehme Gefühle aus. Als ich das an ihren Augen sah, ging ich mit ihr, ohne eine Frage, wieder in meine Küche, die auch Stube ist.

Als sie mir nach einiger Zeit, ich glaube, es waren einige Wochen, sagte, wie sich sie bei unserem ersten Treffen gefühlte, war ich sehr überrascht. Auch ärgerte ich mich, weil ich nicht verstand, daß sie so lange gewartet hatte, mir dazu zu erzählen. Denn sie hatte bereits einige sehr intime Details ihres Lebens offenbart. Außerdem sollte sie doch schon an unserem ersten Treffen mitbekommen haben, daß ich mit Gefühlen, die mir und meinen Interessen nicht unbedingt wohlwollend sind, umgehen kann.

 

Verstärkt hat sich mit der Zeit die Entschlossenheit ihres Auftretens.

Haben wir anfangs ganz locker hin und her geredet, diskutiert, manchmal stundenlang, hat ihr das später immer weniger gefallen.

Ich möchte es deutlich machen, weil es in diesem kleinen Satz wohl sonst untergeht. Mit "wir" meine ich, daß sie und ich uns gleich verhalten haben. Sie hat also hin und her geredet, diskutiert, ist gesprungen, ich habe habe auch getan. Beide haben wir das nicht selten stundenlang getan. Und, wie ich hoffe, finden es gleichermaßen toll. Später hat ihr das immer weniger gefallen. Deshalb hat sie immer neue Regeln eingeführt.

Ich sollte nicht mehr so die Themen wechseln, ich sollte sie immer ausreden lassen, ich sollte sie nicht so oft anrufen, ich sollte sie nicht nach einer bestimmten Zeit anrufen usw.

Diese Regeln galten jedoch nur für mich, nicht für sie.

Außerdem galten sie nur, wenn sie drogenfrei war.

 

Ich möchte etwas allgemein zu ihren Drogen sagen. Wenn ich "drogenfrei" sage, meine ich, sie hat höchstens normale Zigaretten geraucht. Wenn ich "nicht drogenfrei" sage, meine ich, sie hatte Drogen genommen, die über das Rauchen normaler Zigaretten hinausgehen.

Ob das ein oder mehrere Bier waren, oder ein oder mehrer Glas Wein, oder ein oder mehrere Cocktails, Schnäpse oder was weiß ich alles war, womit man sich berauschen kann, lasse ich offen, weil es für das, was ich sagen will, keine Rolle spielt.

Ich kann nur sagen, S. war da ziemlich flexibel. Ich mit meinem ehemals fast ausschließlichem Bier-Konsum, der ein Bier-Mißbrauch war, aber irgendwie hört sich das lächerlich an, obwohl es stimmt, bin da sehr langweilig gewesen im Vergleich zu ihr.

 

Diese von S. aufgelegten und immer strenger werdenden Regeln galten nur, wenn sie drogenfrei war. Wenn sie drogen genommen hatte (wie gesagt, ich meine das im eben beschriebenen Sinne, "drogen genommen" kann also auch heißen, "ein Bier getrunken hat"), war es wie zu unserer Anfangszeit, manchmal auch schöner, gewagter.

 

In der ersten Zeit wurde ich Zeuge, wie sie sich Stück für Stück von einem Brieffreund getrennt hatte.

Erst hat sie ihm alles geschrieben und vertraut, dann wollte er ihr nur Böses. Ich kürze ab. Ich konzentriere mich auf das nach meiner Sicht wesentliche.

Im Grunde hat er ihre Regeln gebrochen. Sie verbat sich seine Meinung zu bestimmten Themen, schrieb selbst aber immer wieder zu diesen.

Sie regte sich über ihre Arbeit auf, ließ ihren Frust in den Briefen an ihn ab, schimpfte. Wenn er ihr dann aber schrieb, sie solle die Arbeit doch aufgeben, wenn sie sich so sehr über sie ärgert, wies sie ihn zurecht, das würde ihn doch nichts angehen.

Glücklicherweise haben S. und ich uns nie über ihre Arbeit "gestritten". Zwar hat sie auch mir gegenüber "rumgemeckert", aber ich sah das nicht so tragisch. Irgendwie meckert doch fast jeder über seine Arbeit, oder?

 

Ich finde, ich habe schon eine ganze Menge geschrieben, dafür daß ich eigentlich nichts mehr schreiben wollte.

Vielleicht schreibe ich noch mehr. Vielleicht auch nicht. Was mir immer so durch den Kopf gegangen ist die letzten Tage, habe ich herausgelassen und notiert. Nun sauen diese Gedanken nicht mehr in meinem Kopf herum.

Mehr wollte ich nicht erreichen.

Falls sich wieder Gedanken melden und mich von anderen wichtigen Gedanken ablenken, werde ich sie wieder aufschreiben.

Falls sich keine mehr melden, wird diese Seite nicht mehr wachsen.

Auf alle Fälle möchte ich alles, was mit S. zu tun hat, nicht mehr in meinem Tagebuch haben.

Da war sie lange genug und teilweise sehr ausführlich.

Bis dann also ... oder auch nicht ...

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