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Tagebuch - Mai 2008

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Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" (Originaltitel: "Against the Day"): Kapitelübersicht.


Donnerstag, 1. Mai 2008 - Freiertag (Tag der Arbeit & Christi Himmelfahrt)

[01.05.2008, do, 8:00]

Leider regnet es, leicht, aber beständig, scheint die Sonne nicht.

So stellt man sich einen Feier-Tag, schon gar nicht einen doppelten, nicht vor.


[8:10]

Vor einiger Zeit hab ich bis zu 75 Spam pro Tag bekommen.

Im ganzen April 2008 waren es jedoch nur 120.

Scheint, mein stures Verhalten hat mich für Spammer uninteressant gemacht.


[10:30]

Inzwischen hat Grit P. die dritte Mail geschrieben und wiederholt betont, wenn sie gewußt hätte, daß der Zirkel "Leben-Liebe-Zukunft" ein Zirkel schreibender Arbeiter gewesen ist, wäre sie nie drin gewesen.

Da der "ideologisch übertrachtete Begriff" sie stört, werde ich ihn herausnehmen.

Ich habe umformuliert in:

Grit P. kenne ich. Mitte der achtziger Jahre lernte ich sie in einer Runde von Schreibenden und Literaturinteressierten kennen.


[12:00]

Am Wetter hat sich nichts geändert.

Müßte ich heute demonstrieren, wie es in der DDR üblich war, hätte ich schlechte Laune bekommen. So bleibe ich einfach zu Hause, lese und schreibe.


[15:30]

Seit ich Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" lese - bin auf Seite 59 der deutschen Ausgabe -, habe ich Alpträume.

Heute morgen erwachte ich von einem, dessen Fortführung mich eben aus meinem Mittagsschlaf trieb: Ich bin in einer dunklen Höhle und ziehe Fangarme aus einer Art Totenkopf, die immer länger werden und aus denen weitere Fangarme wachsen und sich in meiner Richtung bewegen, um mich zu hindern, die Hauptfangarme weiter herauszuziehen.

Heute morgen erwachte ich aus dem Traum, ohne aber die Fangarme losgelassen zu haben. Heute mittag zog die Fangarme noch weiter heraus, die Nebenfangarme wurden noch länger, ich fürchtete, gleich umklammerte, gefangen und erdrückt zu werden. Wieder wollte ich nicht aufhören, setzte mich der Bedrohung aus und entzog ich ihr erst, indem ich aufwachte.

Zuerst dachte ich, der Traum meinte, ich sollte wieder die Bücher des bisher nicht namentlich genannten Autor weiterlesen, in denen solche Abeuteuer vorkommen, nicht jedoch auf den Seiten von "Gegen den Tag", die ich bisher gelesen habe.

Inzwischen glaube ich aber, ich sollte "Gegen den Tag" nicht weiterlesen, weil sich etwas Bedrohliches aufbaut im Buch, das sich auf mich übertragen und schlimmer werden wird als alle unheimlichsten und bedrohlichsten Daseinsformen in den Abenteuern des noch nicht genannten Autors zusammen.


[17:00]

Jetzt ist das Wetter noch schön geworden.

Kinder toben fröhlich auf dem Rasen zwischen den Häusern, spielen im Sand, schaukeln, auf einem der beiden an langen Metallketten hängenden Kunststoffsitz ruhend, unter dem stabilen Holzgestell, so lange, bis ihrem Elternteil die Arme wehtun oder den kleinen Schauklern übel wird, was allerdings selten vorkommt, oder einer von beiden nicht mehr mag, sausen die Rutsche runter oder klettern sie hoch, steigen in die hölzerne Burg oder erklimme sie.

Durch das weit geöffnete Küchenfenster lausche ich der Ausgelassenheit, genieße, während ich im anderen Zimmer im Bett liege und in Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" lese.


[20:00]

Ein virtuoser Übersetzer kann sogar deutsche Worte ins Deutsche übersetzen.

Seite 47 "Against the Day":

[...] Mr. Basnight, considering the widely know Kuchenteigs-Verderbtheit or pastry-depravity of the American detective ...

wird zu (Seite 75 "Gegen den Tag"):

[...] Mr. Basnight, wo doch die amerikanische Detektive bekanntermaßen mehlspeisennarrisch, also auf Gepäck versessen, sind ...


Hin und wieder wird etwas übertrieben.

Aus (Seite 31 "Against the Day"):

No one had offered to take Professor Vanderjuice's had [...]

wird (Seite 53 "Gegen den Tag"):

Niemand hatte sich erbötig gemacht, Professor Vanderjuice den Hut abzunehmen [...]

Oder (Seite 30) aus:

They went off to a steak house nearby for lunch.

wird (Seite 51):

Sie verfügten sich zum Mittagessen in ein nahegelegenes Steakhaus.

Statt "erbötig" und "verfügten" wären "angeboten" und "gingen" angemessener, denn der Roman spielt Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert. Außerdem entsprechen die Wörte mehr dem, was der Autor geschrieben hat.

Aber das sind Kleinigkeiten. Ich vergesse nicht, "Against the Day" erschien im November 2006 - bereits Ende April 2008 erschien "Gegen den Tag". Vermutlich hatte zwei Übersetzer nur rund jeweils ein Jahr zu Verfügung, um insgesamt rund 1000 Seiten sehr anspruchvoller Literatur zu übersetzen.


Meist wird aber sehr treffend übersetzt:

The horse-drawn conveyance they had boarded [...] (Seite 21)

wird

Das von Pferden gezogene Gefährt, das sie bestiegen hatten [...] (Seite 38)

und nicht etwa:

Die Pferdekutsche [oder -droschke], die sie bestiegen hatten [...],

denn wer weiß, was die Leser noch erwartet, wenn Pynchon statt "carriage" oder "cab" ihnen "conveyance" bietet, immerhin gibt es in "Against the Day" auch Pugnax, einen die 1886 erschienene Novelle "The Princess Casamassima" von Henry James lesender Hund, "Rr Rff-rff Rr-rr-rff-rrf-rrf".


Auch spüre ich in der deutschen Übersetzung, wenn der Erzählstil ändert, ich sag mal, vom "Jugendroman" zum "Detektivroman" wechselt.

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Freitag, 2. Mai 2008

[02.05.2008, fr, 10:15]

In einem Stern-Interview lese ich, die Übersetzer Nikolaus Stingl (Teile 1,2 und 4) und Dirk van Gunsteren (Teile 3 und 5) bewältigten zusammen innerhalb von 11 Monaten mehr als 2000 Manuskriptseiten, um Thomas Pychnon's Roman "Against the Day" ins Deutsche zu übertragen, um der Vorgabe des Verlages zu genügen.

Jeder Übersetzer erhielt (inklusive eines Zuschlags gegenüber anderen, leichteren Übersetzungen von 3 Euro) pro Seite 23 Euro für Recherche, Übersetzung, Fahnenkorrektur.

Dirk van Gunsteren: "Wenn ich bei einem anderen Autor acht Seiten am Tag schaffe, schaffe ich bei Pynchon nicht mehr als fünf."


[12:00]

Ich passiere zwei ältere Frauen, schnappe Satzfetzen auf:

- respektables Alter

- meine Kinder sind nach Schweden ausgewandet

Meine Mutter hat es da besser, ihr Ehemann lebt noch, ihre beiden Söhne leben in ihrer Nähe, besuchen sie oft.


[15:00]

Mittagsschlaftraum: Ich unterhalten mich mit jemand. Eine junge, schlanke, schmalen Frau, mit dunkelblonden, langen, leicht gewellte Haaren, Mittelscheitel, schönes, schmales Gesicht, tritt heran, zwei Bücher in der Hand, die sie offentlichtlich bezahlen will. Ich stehe offentlich an der Kasse eines Buchladens. Sie sieht mir in die Augen. Ich kenne sie nicht, finde sie aber sehr nett. Hab ich mir auch gekauft, weil du von dem Buch so geschwärmt hast, und mein Französisch kann ich auch noch bißchen auffrischen, sagt sie, und zeigt Jonathan Littell's "Die Wohlgesinnten" in der deutschen gebundenen und einer französischen Tachenbuchausgabe. Ich wache auf.

Nachdem Traum dachte ich, mein Traum hätte mit meinem Vorhanden, den Inhalt von Thomas Pynchon's Roman "Gegen den Tag" zusammenfassend kapitelweise in Netz zu stellen. Dann dachte ich, damit ich, kinderlos, ohne feste Beziehung, im Alter nicht so allein bin wie die Frau, an der ich mittags vorbeigekommen bin, sollte jetzt "vorsorgen". Aber wahrscheinlich will mir mein Traum sagen: brauchst dir die Mühe mit "Gegen den Tag" nicht zu machen, du hast ja schon viel über "Die Wohlgesinnten" online.


[19:00]

Vermutlich würde ich das Projekt - zusammenfassend kapitelweise über "Gegen den Tag" zu schreiben (siehe: Thomas Pynchon "Gegen den Tag", Kapitelübersicht) - auch nicht durchhalten, denn vorhin hatte ich einige Seiten irgendwo vor dem Ende des sechsten Kapitels (Seite 89-123 der deutschen Ausgabe), die mir ein "ist das langweilig" entlockten und den Gedanken: vielleicht kann Pynchon gar nicht "leserfreundlich" schreiben, weil er sich dabei langweilen würde.

Vermutlich wird die Schwierigkeit, eine gleichförmige Stimmung aufrechtzuerhalten, unterschätzt. Für Menschen eher vom "wilden" Typ, die ein breites Spektrum von Stimmungen leben, natürlich weniger als von denen, die sich immer irgendwie gleich fühlen.

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Samstag, 3. Mai 2008

[03.05.2008, sa, 10:00]

Gestern abend hab ich es übertrieben: irgendwann kurz nach Mitternacht hat es in meinem Kopf dermaßen gesaust und gebrummt, daß ich sehr schnell meine intensive und interessante Forschung in "Gegen den Tag" (siehe Kapitelübersicht) abbrechen mußte, um die plötzlich entstandenen Kopfschmerzen, den denen ich im allgemeinen nur alle Jahre gepeinigt werde, nicht stärker werden, sondern abklingen zu lassen.

Schon lange im Bett liegend und auf intellektuellen Leerlauf hoffend, durchströmten mich noch lange kolossale Ideen, fiktive Dialoge, nie erlebte Szenerien, ehe allmählich der Schmerz nachließ und ich einschlief, um Stunden später aufzuwachen, ohne zu wissen, welcher Tag ist oder welche Tagezeit.

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Sonntag, 4. Mai 2008

[04.05.2008, so, 11:00]

Habe die Struktur meiner Homepage gestrafft.

Einige Verzeichnisse sind zusammengefaßt, Seiten sind umbezogen. Inhalte haben sich nicht verändert, hab nur etwas Platz geschaffen, nicht oft genutzte Teile meiner Homepage sozusagen vom Schreibtisch geräumt.

Teilweise werden einige Seiten nicht mehr von Suchmaschinen aufgerufen werden (bis die Suchmaschinen die Seiten an ihren neuen Orten gefunden haben), aber das wird nicht tragisch, weil viele Dinge, die es vor Jahren nur auf meinen Seiten gab, inzwischen auch von anderen angeboten werden.


[18:00]

Durch meine Kapitelübersicht von Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" lese ich das Buch entspannt, habe mehr Zeit zum Genießen, habe mich aus dem Wettlesen ausgeklingt. Dadurch werde ich vom Buch länger etwas und mehr haben.

So wußte ich beim ersten Lesen nichts mit dem "Voll begleidet, schien ..." (Seite 45) anzufangen, obwohl ich gelesen hatte "... unbekleidete Gestalt ... eine Frau!" (Seite 27). Beim zweiten Lesen ist mir der Bezug deutlich geworden, der zumindest meint, die Freunde sehen die Frau zum erstenmal angezogen.

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Montag, 5. Mai 2008

[05.05.2008, mo, 20:00]

War anderthalb Stunden am Wasser in der Abendsonne spazieren.


[20:05]

Hab heute wieder einiges über die Rechtschreibreform gelesen.

Eigentlich ist mir egal, wie man schreibt. Da ich Texte aus verschiedenen Zeiten lese, hab ich kein Problem, ob man zum Beispiel "gôz", "gos", "groſs", "goß" oder "goss" schreibt. Aber wenn man regelrecht wenigs-tens trennt und damit der neuen Rechtschreibung entspricht, ist das einfach nur blöd. Sau blöd.

Das ist kein Wunder, ging es doch bei der sogenannten Rechtschreibreform um Macht und Geld, nicht um eine Verbesserung der Rechtschreibung oder Lesbarkeit, wie man vielerorts gut dokumentiert nachlesen kann.

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Dienstag, 6. Mai 2008

[06.05.2008, di, 20:00]

Den kleine, labyrinthische Buchladen am Bahnhof Zoo, direkt unter der Bahnbrücke, wo ich Mai 1990 mein erstes "Westbuch", Umberto Eco "Das Foucaultsche Pendel", kaufte, nachdem ich, noch ohne D-Mark, vom Bahnhof bei einem der vielen freiberuflichen Devisenhändler, in meinem Fall wohl ein Langzeitstudent, dem ich intuitiv mehr vertraute als seinen Kollegen, 200 Ost- in 50 Westmark getauscht hatte, gibt es leider nicht mehr.

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Mittwoch, 7. Mai 2008

[07.05.2008, mi, 16:00]

Vor einiger Zeit fiel mich in einer Buchhandlung im Regal für englische Literatur ein Autorenname auf, der einen Umlaut enthielt. Die es ja nicht im Englischen gibt. Also zog ich das Buch heraus:

Frank Schätzing "The Swarm".

Weder Autor noch Titel sagten mir etwas, aber der Hinweis auf der Vorderseites des Buches machten mich noch neugieriger:

The Two Million Copy International Bestseller Pheomenon.

Aber woher kam der Autor? Wirklich ein deutschsprachiger, wie sein Name vernuten ließ?

Im Buch fand ich die Antwort:

Originally published in German in 2004 as "Der Schwarm".


Zu Hause angekommen, sah ich, "Der Schwarm" wurde bei Amazon.de von fast 1.100 Kunden bewertet!

Das ist sehr beachtlich, wenn man bedenkt, ein sehr bekannter Roman wie "Der Herr der Ringe" hat zusammen für alte und neue Übersetzung etwas über 700 Kundenbewertungen bekommen hat.


Heute hab ich mir "Der Schwarm" und "The Swarm" gekauft, um einfach mal zu sehen, was man anstellen muß, um als deutschsprachiger Autor ins Englische übersetzt zu werden, was nur selten geschieht.

Außerdem interessiert mich nicht nur, wie vom Englischen ins Deutsche übersetzt wird, sondern auch vom Deutschen ins Englische.


Da ich erst zum Buchladen im Hauptbahnhof ging, dann in die Innenstadt, legte ich rund 7 Kilometer zu Fuß zurück, um die beiden Bücher zu bekommen.

Während ich heute nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, weil die Fahrkarten zu teuer sind, ging gestern abend, als ich aus Berlin mit gültiger Fahrkarte kam, zu Fuß nach Hause, um in der angenehmen Abendsonne noch etwas zu spazieren (rund 3 Kilometer).

Meine Fußmärsche sind kein Ersatz für Läufe, aber ein gewisser Ausgleich und Vorbereitung für kommende Läufe.


[19:00]

Wie immer bei meinen Vergleichen, hab ich das Buch irgendwo aufgeschlagen, gelesen. Die genannten Stellen sind also zufällige Stichproben.

Bei der Übersetzung von "Der Schwarm" zu "The Swarm" gehen teilweise (mehrmals) ganze Sätze verloren.

Die Sätze:

"[...] Später sehen wir weiter." Er grinste und legte die Finger um die Joysticks. "Knick knack. Macht ja auch irgendwie Spaß, oder?"

Sie öffnete noch ein Dutzend Krabben, ohne [...] (Seite 691, Taschenbuch)

werden zu

"... we can deal with him later."

They opened a dozen or so crabs without [...] (Seite 603, Taschenbuch)

Außerdem ist Schätzings Schreibstil wohl dem amerikanischen Empfinden angepaßt.

Aber ich denke, das stört den Autor nicht, weil sie die Botschaft nicht verändern. Und wenn man auf einem fremden Markt Fuß fassen will, wird man nicht auf Kleinigkeiten beharren.

Zudem gibt auch für Bücher, die aus dem Deutschen ins Englische übersetzt werden, was für aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte Bücher gilt: wer wissen will, wie der Autor geschrieben hat, muß daß Original lesen.


[19:30]

Die in "Der Schwarm" beschriebene Thematik interessiert mich sehr. Ich glaube auch, die Natur wird sich am Menschen für seinen Egoismus und sein Schänden des eigenen Mutterschoßes rächen.

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Donnerstag, 8. Mai 2008

[08.05.2008, do, 12:00]

Leider ist "Der Schwarm" nicht gut geschrieben. Nach Seite 36 hab ich das Buch mit Bedauern beiseite gelegt. Gern hätte ich es zu Ende gelesen, nachdem ich schon mal durchgeblättert hatte und vieles las, was mich interessierte. Aber da lese ich wohl lieber die Informationen nach, oder warten auf den Film.

Besonders gestört haben mich:

Ich werde vorerst etwas Abstand zum Buch nehmen, dann vielleicht noch einmal unter anderen Voraussetzungen eine Versuch wagen.

[Anmerkung am 15. September 2012, sa, 16 Uhr 50: Lese wieder in "Der Schwarm". Bin auf Seite 82. Kann bisher nicht nachvollziehen, warum ich damals die Lektüre abgebrochen habe. Vielleicht war ich innerlich noch bei Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten".]


[18:00]

Hab mal probehalber eine Blende mit einem Loch für den Abluftschlauch der Klimaanlage gebaut, die ins Küchen- oder Stubenfenster paßt.

Funktioniert soweit, allerdings glaube ich, daß der Vermieter nicht gut finden wird, wenn ich in einem Fenster "Holz" statt Glas habe.


Zur Zeit betreibe ich nur die Klimaanlage in der Stube. Außer das für eine Spalt des Abluftschlauches offene Stubenfenster sind alle Fenster geschlossen.

Wenn ich dieses Sommer wieder die Klimananlage im Bab betreibe, muß ich den Abluftschlauch besser isolieren, zum Beispiel durch eine Decke oder so einen Raum vor dem Fenster schaffen, in dem der Abluftschlauch zum Fensterspalt geführt wird. Daß das Gerät in der Küche heißere und wohl auch mehr Abluft erzeugt liegt an der Kühlung ohne Wasser.

Vielleicht reicht diesen Sommer auch die Kühlung ausschließlich in der Stube.

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Freitag, 9. Mail 2008

[09.05.2008, fr, 10:30]

Bin von Lauf 440 zurück.


[11:00]

Dieses Sommer werde ich zuerst mit dem Gerät in der Stube (PAC 70 Eco) kühlen und das Gerät im Bad (CF 208) als Ergänzung einsetzen, weil die Isolierung (Fensterspalt, Abluftrohr, Gerät selbst) in der Stube besser ist.


[15:30]

Hab jetzt die Fenster in der Stube auch - wie vor einige Zeit in der Küche, dort aber vorranig als Lichtschutz [außen nach innern, aber auch innen nach außen], der in der Stube durch vorgehangende Decke erfüllt wird) - mit Zeitungspapier abgeklebt, das innen über das weiße Papier angebracht wurde.

Jetzt wird durch die dicke Papierschicht weniger Wärme (und leider auch Licht, denn jetzt ist es in der Stube ohne künstliches Licht auch bei strahlendem Sonnenschein völlig dunkel; in der Küche übrigens auch) ins Zimmer gelangen, die Decke muß weniger abhalten. Vielleicht macht sich das auch im Zimmer selbst bemerkbar, das jetzt zudem weniger durch elektrische Geräte (Flachbildmonitor, deutlich weniger als der dicke zuvor, vielleicht auch weniger durch den neuen PC) aufgeheizt wird.


[19:00]

Meinem Körper, insbesondere meinem unteren Rücken, ist der Lauf sehr gut bekommen. Meiner Seele jedoch nicht: ich fühle mich, als wäre ich auf Entzug - traurig, überzeugt davon, sinnlos zu leben, nie wieder glücklich zu werden; und unbedingt muß ich ein bestimmtes Buch kaufen, ansonsten wird mein Leben noch unerträglicher.


[19:40]

Ich könnte noch los. Am Hauptbahnhof gibt es einen Buchladen, der hat heute bis 22 Uhr geöffnet. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es mir wirklich um das Buch geht oder nur darum, meine Stimmung aufzuhellen. Die wird aber morgen ohne mein Zutun wieder besser sein. Ist eben wie bei Einzug: durchhalten, durchhalten, durchhalten, irgendwann wird es schon besser.


[19:50]

Die Zeitungen auf der Fenterinnenseite im Stubenfenster, auf das die Sonne noch immer brennt, sind sehr warm. Die Luft bis zum Vorhang, der den Fensterraum abschließt, ist kälter, hat fast Zimmertemperatur.

Wenn ich die Zeitung gegen die Scheibe drücke und den kleinen Raum zwischen Scheibe und Zeitung überbrücke, werden sie noch wärmen. Diese Temperatur hat vorher zwischen Fenster und Vorhang geherrscht, obwohl schon eine Lage Papier auf den Innenscheiben befestigt war. Aber die eine Lage hat zwar Licht, aber nur wenig Wärme abgehalten. Die Zeitung hab ich mit mindestes vier Lagen befestigt.

Vielleicht bringe ich weitere an, denn das Glas ist der Durchlaß für die Wärme, die Fenster selbst sind neu und dicht.


[20:20]

Hab noch eine Schicht, um die Häfte versetzt, angebracht.


[20:30]

Hab noch bißchen aufgeräumt. Als Ersatzdroge nicht schlecht.

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Samstag, 10. Mai 2008

[10.05.2008, sa, 16:30]

Während sehr langer Gespräche mit meinem Seelenteil die Kleinen, die ich als seitenlange Abschweifung darbieten könnte, wie es der bisher von mir noch nicht namentlich genannte und von mir sehr geschätzte deutsche Autor gern tut, hat sich herausgestellt, mein "Entzug" stellt die von Alltagsgedanken (Warum lassen sich Pynchon's Bücher so schwer lesen? Wird der von mir noch nicht namentlich genannte und sehr geschätzte Autor weitere schöne Bücher schreiben?) überdeckte und durch den gestrigen Lauf frei gespülte Forderung meiner Kleinen dar, endlich wieder einen richtigen Freund zu haben, was sie nach der Verbalisierung in der folgenden Nacht durch einen Traum visualisierten, wobei sie jedoch keinen richtigen erinnerten, sondern an einen, der mich mehrmals in sehr gefährlichen Situationen einfach allein gelassen hatte und später irgendwann, als wir uns über zehn Jahre kannten, nichts mehr von mir wissen wollte, wodurch meine Kleinen ihre Wortlichkeit eine Gegendarstellung folgen ließen, oder auch nicht, vielleicht hatte ich alles falsch verstanden, jedenfalls hatte ich keinen Entzug, mußte also nicht streng mit mir umgehen, um mich nicht von meinen Süchten beherrschen zu lassen, sondern hatte tatsächlich Interesse an einem bestimmten Buch, das ich mir dann heute auch gekauft habe.

Das ist doch ein schöner Satz, oder? Vielleicht sollte ich weniger "Gegen den Tag" lesen. Na ja, heute habe ich es schon mal getan, weil mir bei aller Schönheit der Roman keine leichte Lektüre ist, und habe viel Freunde gehabt mit Markus Zusak und seinem Buch "Der Joker".

Das ist eigentlich ein Jugendbuch, aber so gut geschrieben, daß ich sehr Kurzweil mit Ed und seine Freunde hatte und mich vom Autor gern zum Lachen bringen ließ, um kurz danach den Tränen nahezusein.

In der Geschichte "Der Joker" geht es auch um Menschen am Rande der Gesellschaft. Aber anders als bei Clemens Meyer (nur zwei Jahre jünger) wurde ich ergriffen, mitgerissen, nicht laufend zum Kopfschütteln wegen der Art der Darbietung getrieben.

Vielleicht ist Clemens Meyer einfach nur verbittert, fühlt sich zu kurzgekommen, benachteiligt, wartet noch immer auf die "blühenden Landschaften" und spiegelt das in seinem Stil wider? Vielleicht will er sogar die DDR zurück?

Alles, nur das nicht! rufe ich allen entgegen, die immer noch glauben, die DDR wäre die Lösung für alle gegenwärtigen und zukünftigen persönlichen sowie gesellschaftlichen Probleme.


[18:00]

Ich muß noch mal auf Clemens Meyer und seine Helden zurückkommen, mit denen ich mich einfach nicht identifizieren kann, obwohl ich kurze Zeit nach der Wende am Tiefpunkt meines Lebens war: Extremer Alkoholiker, plötzlich ohne Arbeit und, was schlimmer war, ohne Geld. Hätte die Sparkasse mir das Überziehen meines Kontos nicht über mehrere Monate geduldet, hätte ich nicht mal die 35 Mark für die Miete gehabt. Zu essen, hab ich geklaut. Auch andere Dinge, die ich dann verkaufte. Nie wieder wollte ich arbeiten, so sehr hat man mir im Kampf um die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze zugesetzt. Eigentlich hätte ich mir durch Suff und andere ungesunde Hobbys den Rest geben können. Aber ich hörte mit dem Trinken auf und versuchte mein Leben zu ordnen, in gewisser Weise sogar von vorn zu beginnen.

Wende bedeutet für mich nicht nur Untergang, sondern auch Neuanfang. Und auf keinen Fall will ich die DDR zurück, obwohl kein Sicherheitsorgan der DDR, und ich hatte mit einigen Kontakt, mich so gedemütigt habt wie die demokratischen Polizisten des vereinten Deutschlandes, kein ... Ich will das jetzt nicht ausdehen. Ich weiß, was sich alles verschlechtert hat. Aber jetzt kann ich mein Leben leben, mit mehr das der Partei.

Nie hatte ich in der DDR das Gefühl, eingeengt zu sein. Deshalb hab ich nie erwogen, in den Westen zu gehen, obwohl ich durch meinen Rausschmiß aus Armee und Partei ganz schnell in den Westen gekommen wäre. Aber im Nachhinein fühle ich mein damaliges Eingeengtsein! Als ich noch eingeengt war, fühlte ich mich nicht eingeengt, weil ich nie in Freiheit gelebt habe.


[18:30]

Davon abgesehen: Clemens Meyer ist 1977 geboren, 1989, im Jahr der Wende, war er 12 Jahre alt. Als die größe Scheiße vorbei war, 1995, war er 18. Seitdem hat sich die Lage stabilisiert.

Da könnten im Prinzip auch heute 18jährige einen Wende-Roman schreiben. Und sicherlich ebenso authentisch.

Daß Clemens und seine Kumpel keine Arbeit hatten, das würde ihnen heute auch passieren. Daß es für sie keine Ausbildung für gäbe, ebenso. Das alles hat nichts mit der Wende, also dem Umbruch, der Veränderung, zu tun, sondern mit den neuen Zeiten, den neuen Herren und den neuen Sitten.

Mich überrascht das alles nicht, habe ich doch in der DDR Westfernsehen geguckt und außerdem Marx und Lenin gelesen. Einzig die gewonnene Freiheit, die überrascht mich. Die konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Die ist ja auch viel mehr, als fremde Länder bereisen zu dürfen, was man sich irgendwie ja vorstellen konnte.


[18:45]

Sicherlich werde ich noch einmal versuchen, mich Clemens Meyers "Als wir träumten" zu nähern.

Beim ersten Versuch, habe ich bis Seite 67 gelesen. Dann weitere Seiten überall im Buch angelesen, aber als die nicht so anders waren als die ersten 67, hab ich das Buch beseite gelegt, weil ich mich bei der Lektüre mehr geärgert als gefreut habe. Das hatte mehr mit dem "Wie es erzählt wird" als mit dem "Was erzählt wird" zu tun.

Vorerst Ende Clemens Meyer und "Als wir träumten".


[19:00]

Zurück zum "Jocker".

Ed ist 19 und ist in seinen Augen ein Verlierer. Nicht einmmal sexuell heldenhaft.

Statt sich jetzt für sich und andere toller Geschichten auszudenken, wie er Frauen beglückt, wie das auch viele Männer tun, hat er folgenden Gedanken (Seite 32f, gebundene Ausgabe, von mir modifizierte Rechtschreibung):

Ich persönlich finde, daß Sex wie Mathe sein sollte.

In der Schule.

Keinen kümmert es, wenn er in Mathe ein Versager ist. Man brüstet sich sogar damit. Man sagt jedem, der es hören will: "Klar, Bio und Englisch [sprich: Deutsch] sind ganz okay, aber in Mathe bin ich die Vollniete!" Und die anderen lachen und sagen: "Geht mir nicht anders. Diesen ganzen Logarithmusscheiß kapier ich im Leben nicht."

Genau das gleiche sollte man zum Thema Sex sagen können.

Man sollte stolz verkünden dürfen: "Diesen ganzen Orgasmusscheiß kapier ich im Leben nicht, echt jetzt. Alles andere ist ja ganz okay, aber in dieser Beziehung habe ich keinen blassen Schimmer."

Aber das sagt niemand.

Das kann man nicht sagen.

Besonders als Mann nicht.

Wir Männer glauben, daß wir beim Sex gut sein müssen, aber ich stelle mich jetzt vor dich hin und sage, daß ich es nicht bin. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß ich davon überzeugt bin, daß auch meine Fähigkeiten im Küssen ziemlich zu wünschen übrig lassen. Eine von den beiden Freundinnen hat versucht, es mir beizubringen, aber irgendwann aufgegeben. Offenbar ist meine Zungenfertigkeit einfach hoffungslos, aber was soll ich machen?


Dabei ist er in einer Gegend aufgewachsen, wo das Wesentliche zwischen den Geschlechtern allgegenwärtig ist (Seite 26):

Schwangerschaften bei Minderjährigen sind dort an der Tagesordnung, und die Gegend wartet mit einer ungesunden Ansammlung von gewälttätigen, arbeitslosen Vätern auf sowie von Müttern, die saufen, rauchen und mit hochhackigen Stiefeln durch die Straßen stolzieren, so wie meine eigene Mutter.


[20:30]

Hab das dem Badfenster nähere Loch in der Wand zwischen Bad und Küche durch Sägen so vergrößert, daß der Luftaustritt des kleines Klimagerätes ungestört die kühle Luft vom Bad in die Küche befordern kann.

Damit kommt in der Küche die gesamte kühle Luft an, aber nur sehr wenig der Betriebsgeräusche.

Um keinen Wärmestau im Bad zu erzeugen, klappe ich das Badfenster nicht nur an, wie im bisherigen Betrieb, sondern öffne es richtig.

Da die Außentemperaturen auf der Schattenseite des Hauses im vergangenen Sommer nicht mehr als 30 Grad Celsius wurden, wird es für das kleine Klimagerät wohl nicht zu warm werden (die Hitze des Abluftschlauches kann durchs weit geöffnete Fenster entweichen - vielleicht werde ich ihn später isolieren -; der Auslaß des Abluftschlauches liegt auf dem Fensterbrett, seine Öffnung entläßt die Abluft direkt ins Freie).

Durch den Umbau gelangt deutlich mehr kühle Luft in die Stube als durch die bisherige Umlenkung im Flur, außerdem entweicht die erhöhte Raumtempertur vollständig ins Freie, vermischt sich nicht mehr mit der kühlen Luft.

Im Grunde habe ich jetzt eine Klimaanlage, als sei sie festinstalliert: kühle Luft gelangt in den Raum, wird aber außerhalb des Raumes erzeugt; außerdem gelangt keine warme Luft von draußen durch den Spalt des Fensters, in dem der Abluftschlauch liegt, ins Zimmer.

In der Stude ist die ganze Sache nicht so tragisch, weil der Abluftschlauch weniger warm wird (wassergekühlte Herstellung der kühlen Luft). Außerdem ist die Abdichtung des Fensterspaltes besser.

Die Geräusche, die durch Badfenster nach außen gelangen, können vernachlässigt werden. So laut ist das Gerät nicht, zudem steht es nicht am Fenster, sondern unterhalb des Fensters rund einen Meter entfernt. Ich schätze, viel leiser wird es in der Kücher durch eine normales (35 dB) Splitgerät nicht.

Wenn der PC im Arbeitszimmer läuft, höre ich keine Geräusche aus der Küche. Das Zwischern der Vögel vor dem Stubenfenster ist lauter.

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Sonntag, 11. Mai 2008 - Pfingstsonntag)

[11.05.2008, so, 11:00]

In der Sonne sind es 37 Grad Celsius. Ich werde gleich mit einem Auto unterwegs sein und bestimmt viel Freude im nicht-klimatisierten Fahrzeug haben.


[11:45]

Das Buch "Der Joker" hab ich bereits zu einem Drittel gelesen. Ohne Probleme.

Wenn ich die extremen Schwankungen meiner Gefühle außer Acht lasse, die dem mitreißenden Schreibstil des Autors geschuldet sind.

Kann mich nicht erinnern, in einem Buch in so kurzen Intervallen vom Lachen zum Weinen und umgekehrt geschwankt zu sein.

Was Markus Zusak schreibt, ist nicht nur gut und spannend geschrieben, sondern ergreift mich auch sehr.


[12:15]

Ed besucht morgens eine Freundin, mit der er auch gern mehr hätte, nachdem zwei üble Kerle bei ihm waren und ihm mit einer Waffer auf den Hinterkopf schlagen hatten. Sie im Türrahmen, ein Kerl fragt im Hintergrund, wer das sei. Sie antwortet nach einem Zögern (Seite 147f): "Ach, es ist nur Ed."

Nur Ed.

Ich wende mich ab.

Nur Ed läuft weiter.

Nur Ed läuft schneller.

Er trabt los.

Aber er stolpert.

Er bohrt seinen Fuß in den Untergrund und geht wieder langsamer, hört ihre Stimme hinter sich näher kommen.

"Ed?"

"ED?"

Nur Ed dreht sich um und hört, was sie zu sagen hat.

"Ich komm später rüber, okay?"

Er gibt nach. Gibt auf.

"Okay", nickt er. "Bis nachher." Dann geht er weg. Das Bild von Andrey im Türrahmen steht ihm vor Augen ...

Ein T-Shirt, viel zu groß für sie, das sie als Nachthemd benutzt. Wundervolles, herrliches Frühmorgenhaar. Liebkoste Hüften. Die drahtigen, sonnenverwöhnten Beine. Trockene, mit Schlaf bedeckte Lippen. Bißspuren am Hals.

Herrgott, ich konnte den Sex an ihr förmlich riechen.

Und ich wünschte mir stille Qual, daß er auch an mir haften würde.

Aber ich kann lediglich das trockene Blut und das klebrige Bier an meiner Jacke riechen.

Es ist ein herrlicher Tag.

Keine Wolke am Himmel.

Grandios!

Wenn alle Jungendbücher so toll sind, werde ich nie wieder welche für Erwachsene lesen.


[18:00]

Grandios und weise!

Seite 153:

Dann sagt sie: "Du bist mein bester Freund."

"Ich weiß."

Mit solchen Worten kann man einen Mann umbringen.

Ohne Waffe.

Ohne Kugel.

Nur fünf Worte und ein Mädchen.


Wenn es interessiert, was Markus Zusak schreibt ("I am the Messenger", Seite 120, Taschenbuch):

She soon says, "You're my best friend, Ed."

"I know."

You can kill a man with those words.

No gun.

No bullets.

Just words and a girl.


Das Original finde ich besser:


Auch wenn sich die sehr freie Übersetzung von "I am the Messenger" nach meiner Meinung nicht auf das Lesevergnügen auswirkt, möchte ich es trotzdem erwähnen. Kurz.


Die sehr freie Übersetzung beginnt bereits in der Danksagung des Autors:

Aus

Special thanks to Baycrew, the NSW Taxi ...

wird

Meinen besonderen Dank gilt meine Freunden von der Baycrew, dem Taxiverband ...


Aus dem Anfang des Buches:

The gunman is useless.

I know it.

He knows it.

The whole bank knows it.

Even my best mate, Marvin, knows it, and he's more useless than the gunman.

wird

Der Bankräuber ist ein totaler Versager.

Ich weiß es.

Er weiß es.

Die ganze Bank weiß es.

Selbst mein bester Freund Marvin weiß es, und der ist ein noch größerer Versager als der Bankräuber.


Diese Art der Übersetzung durchzieht das ganze Buch. Aber, wie gesagt, ohne den Lesespaß zu verderben. Jedenfall dachte ich beim Lesen nicht: Hoppla, so wurde das bestimmt nicht geschrieben. Deshalb gehe ich nicht weiter auf die Übersetzung ein.

Außerdem liest sich "I am the Messenger" deutlich leichter als "Against the Day", weshalb ist auch weniger auf die Übersetzung angewiesen bin.

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Montag, 12. Mai 2008 - Pfingstmontag

[12.05.2008, mo, 7:30]

So war wie befürchtet war es nicht im Auto. Als ich 14 Uhr das Haus verlassen habe, waren bereite leichte Wolken aufgezogen.

Trotzdem war es noch warm genug, und als ich gegen 19 Uhr wieder zu Hause war, hatte mir die ungewöhnte Hitze so zugesetzt, daß ich von 20 Uhr bis 6 Uhr 30 mit nur kleinen Unterbrechungen schlief.

In diesen Unterbrechungen trank, aß und las ich.

Unter anderem auch wieder in Thomas Pynchon's "Gegen den Tag". Nicht weil ich Markus Zusak's "Der Joker" nicht mehr gut finde, sondern weil ich einfach mal wieder in Pynchon's Welt eintauchen wollte.

Auch in Clemens Meyers "Als wir noch träumten" hab ich wieder gelesen. Mir scheint, das Buch ist gar kein Roman, wie ausgewiesen, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten, die über einen langen Zeitraum hinweg geschrieben und in einem Band zusammengefaßt wurden.

Vielleicht sollte man "Als wir träumten" nicht als Wende-Roman bezeichnen, sondern als Kindheits- und Jugenderinnerungen, in dessen Zeit die Wende fällt. Denn, wie bereits erwähnt, war Clemens Meyer zur Wende 12 Jahre alt, und als er Volljährig war, waren die größten Zusammenbrüche schon vorbei.

Davon abgesehen, hatte die Wendezeit etwas herrlich Chaotisches: niemand wußte so recht, was geschieht, alle haben irgendwie gewartet, fragten sie ständig, werde ich meine Arbeit gehalten oder wird der Laden dichtgemacht. Diese Stimmung ging durch alle Bereiche, einschließlich der Sicherheitskräfte. So ähnlich stelle ich mir den Wilden Westen zur Zeit seiner Besiedlung vor.

Die Resignation in "Als wir noch träumten" kommt nach meine Meinung nicht durch die Wende, sondern weil niemand wußte, wie man sich im Westen verhalten soll.

Daß in Leizig jemand über das Ende der DDR traurig war, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Vielleicht die ehemaligen Bonzen, aber die Leiziger - das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht nach dem, was ich Anfang der 1980er Jahre in Leipzig erlebte, während ich mehrmals eine Leiziger Freundin besuchte und mit ihr viel unterwegs war.


[17:00]

Heute ausprobiert: kleines Klimagerät im Bad, kühle Luft durch Wandöffung ins Küche, ein Lüfter in schwächster Stufe befördert Luft in die Stube.

Hab ganz locker geschlafen. Restgeräusch vom Klimagerät und Geräusch vom Lüfter verschmelzen. Ist wohl alles nicht lauter, als wenn der PC läuft. Eher wohl leiser bzw. angenehmer.

Ungefähr 14 Uhr 15 Küchentür geschlossen (Klimagerät lief er ab rund 13 Uhr 15, vielleicht auch erst später), ins Bett gelegt, kurz gelesen, dann tief, ohne Störung geschlafen. Aufgewacht und mich gefragt: Laufen die Geräte noch?

In der Stube (Arbeits- und Schlafzimmer) waren es 20 Grad Celsius, in der Kücher 19, im Bad (Anzeige Klimagerät) 26, draußen (Küchenseite; im Schatten) 26.

Fazit: problemlos kann ich mit dem Klimagerät im Bad (Luft durch Wand, weiter mit einem Ventilator zur Stube) Tag und Nacht kühlen, weil die Geräusche nicht lauter sind als mein laufender PC oder ein Lüfter bei schwächster Stufe im Nebenzimmer und ich dadurch weder beim Schreiben oder Lesen, noch beim Schlafen gestört werden.

Falls die Kühlleistung nicht reichen sollte, kann ich mit dem Gerät in der Stube zusätzlich kühlen, während ich wach bin. Aber das muß ich erst ausprobieren. Vielleicht reicht sie Kühlleistung durch die Isolierung des Stubenfensters (mehrere Lagen Zeitungspapier plus Vorhang), die geringer Wärmebelastung durch PC und Monitor sowie die Isolierung des Küchenfensters (alles im Vergleich zum vergangenen Sommer und alles verbessert).

Mit einer Verlängerung des Abluftschlaches könnte ich das größe Klimagerät in der Küche betreiben, die Abluft trotzdem aus dem Badfenster leiten (Abluftschlauch durch das andere, kleinere Loch in der Wand, Abluftschlauch verländern, zum Beispiel mit so einem Schlauch, wie sie die Offenbauer für die Abluft für die Gasheizung im Erdgeschoß unter meiner Wohnung genommen haben.


[17:50]

Jetzt sind es draußen 25 Grad Celsius. Gemessen vor dem Badfenster. Hab das Thermometer vom Küchenfenster abgemacht. Da das Badfenster ohne offen ist, kann das Küchenfenster geschlossen bleiben. Frische Luft wird ja genug zusammen mit der kühler Luft in die Küche und die Stube geblasen.

In der Stube sind es jetzt 23 Grad Celsius, in der Küche 21,5. Wobei das Stubenthermometer nah vom PC hängt.

Auch in der Stube ist es noch nicht zu warm. Ich überlege, ob ich nicht lieber Strümpfe anziehen soll, wenn ich am PC sitze. Außerdem trage ich kurze Unterwäsche und einen leichten Pullover.


[18:00]

Im Bad sind es 24 Grad Celsius.

Vermutlich stiegt also die Temperatur im Bad durch den zum offenen Fenster geführten Abluftschlauch nur minimal an (nicht aus dieser Messung ersichtlich, aber vorhin zeigte das Klimagerät 26 Grad an, während ich kurze Zeit später draußen im Schatten auch 26 gemessen hatte).

In der Nacht kühlt meine Wohnung nicht so sehr ab, auch wenn es draußen nur 10 oder 12 Grad sind, ein Küchenfenster und das im Bad geöffnet sind.

Falls es in der Nacht nicht mehr kühl wird, lasse ich eben das kleine Klimagerät auch in der Nacht laufen. Sollte es vertrage, läuft ja auf minimaler Kühlung.


[18:15]

Gestern wurde die zweite Buchbesprechung zu Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" veröffentlicht, ist aber eigentlich die erste zur deutschen Übersetzung. Die andere erste wurde bereits nach Erscheinen des Originals abgegeben und nur sehr wenig verändert und am 27. Mai 2008 für die deutsche Ausgabe eingestellt. Vermutlich hat der Kunde die deutsche Ausgabe zu dem Zeitpunkt gar nicht gelesen.

Während man als sehr guter Leser "Gegen den Tag" wohl in rund 14 Tagen lesen kann. Das erstemal, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Ich lese in "Gegen den Tag" seit 30. April - wenn ich das Probelesen in einer Buchhandlung einen Tag zuvor vernachlässige -, hab rund 200 Seiten geschafft. Hab aber immer wieder unterbrochen, um die Ereignisse zu verdauen, den Überblick zu bewahren, und manchmal hatte ich auch keine Luft, schwierige, wenn auch meist schöne, Texte zu lesen.

Oder konnte auch nicht einordnen, warum etwas jetzt erzählt wird, hab mich dann etwas gequält, weil ich es auch nicht überspringen wollte, um nicht noch mehr ohne Orientierung zu sein.

Das ist auch der Grund für meine Kapitelübersicht.

Normalerweise unterstreiche ich mir wichtig erscheinende Worte oder Sätze, schaffe mir so auch meine Orientierungspunkte im Text. Allerdings wollte ich nicht auch noch einzelne Personen kennzeichnen. Am leibsten würde ich mir ja noch ein Exemplar des Buches kaufen, damit ich so lesen kann mir immer - nämlich indem ich meine Orientierungspunkte setze. Allerdings waren mir noch einmal 29 Euro 90 zu viel; 10 Euro für ein weiteres Taschenbuch hätte ich schon längst ausgegeben.

Was ich aber vielleicht doch noch tun muß, weil das Buchpapier keine haltbaren Eindruck macht. "Against the Day" ist genauso dick wie "Gegen den Tag", hab aber rund 520 Seiten weniger, wobei die Seiten nicht unbedingt dick sind, wie man es von manchen gebundenen Bücher kennt, sondern normal. Das macht aber auch deutlich, wie dünn die Seiten bei "Gegen den Tag". Ich hätte es besser gefunden, wenn man für die deutsche Ausgabe das gleiche Buchformat und die gleiche Seitenausnutzung gewählt hätte. Dann wäre es vielleicht nur 100 Seiten mehr geworden, und die Seiten entsprechend dicker.

Schon bei "Die Ende der Parabel" wurden aus 760 Seiten des Originals 1190 in der deutschen Ausgabe. Aber selbst die dünnen Seiten der deutschen Taschenbuchausgabe (gleiche Anzahl wie bei der gebundenen) machen einen stabileren Eindruck als die der gebundenen von "Gegen den Tag".


Mein vieles Blättern, um mir nach dem ersten Lesen einzelne Stelle genauer anzusehen, macht die Seiten auch nicht stabiler.

Auch knittern die Seiten schnell.

Also, ich habe das Gefühl, ich sollte sehr vorsichtig mit "Gegen den Tag" umgehen, damit keine Seiten einreißen oder zu sehr ermüden und dann reichen, bevor ich auf der letzten Seiten angelangt bin. Das hemmt etwas das Lesevergnügen, so als wenn man den ein "gutes" Hemd trägt statt seines Lieblingshemdes.


Vielleicht sollte ich "Gegen den Tag" abschreiben und dann mit meiner bedarfsweise ausgedruckten Fassung arbeiten, wie ich es teilweise bei einigen Büchers des bisher noch nicht namentlich genannten Autors getan habe.

Das war sehr schön, weil ich mich dem Inhalt der Bücher "handwerklich" näherte, fühlte einelne Worte oder Sätze stärke, nachdem ich sie selbst geschreiben hatte.

Zwischen Lesen und Abschreiben ist ungefähr so ein Unterschied wie zwischen mit Maschine zu schreiben oder mit Hand.


Die Zeit ist reif, den Namen des bisher nicht namentlich genannten Autors preiszugeben, dessen Bücher mich seit fast einen Monat (am 14.04.2008 kaufte ich das erste Buch) erfreuen und in eine Welt versetzen wie keine anderen - es ist: Walter Moers.

Selbstverständlich kannte ich sein "Kleines Arschloch", aber ich hatte keine Ahnung, daß es von ihm ist, noch welche Bücher er außerdem geschrieben hat:

In allen hab ich schon sehr viel gelesen, heimlich, sozusagen, und sehr viel Freunde gehabt. Zu Ende gelesen hab ich noch keins: ich will einfach nicht zum Ende kommen!


Der Name ist genannt. Was die Bücher mit mir machten, welche Träume, Gedanken und Gefühle sie in mir auslösten - vielleicht schreibe ich später dazu bzw. veröffentliche, was ich bereits geschrieben habe. Im Moment bleibt das noch Geheimnis zwischen mir und den wundervollen Büchern.

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Dienstag, 13. Mai 2008

[13.05.2008, di, 10:00]

Gestern war Pfingsten und herrlich sonniges Wetter. Heute hat sich die Sonne hinter Wolken versteckt. Draußen sind es nur 17 Grad Celsius (gestern waren es um 9 Uhr noch 36 Grad!).

Selten klappt es mit dem Wetter so toll. Nicht auszudenken, wenn das Wetter die letzten Tage so gewesen wäre. (Nicht unbedingt für mich, aber für die vielen, die Pfingsten frei hatte, heute aber wieder arbeiten.)


[11:00]

Ich lese wieder in Thomas Pynchon's "Agaist the Day" und staune wieviel mehr er im Original als in der Übersetzung sagt.

Mir ist schon klar, daß in der deutschen Ausgabe der Übersetzer spricht, aber ich staune eben immer wieder, wie sehr Orgininal und Übersetzung abweichen.

Auch eine Übersetzung, die sich gut liest, muß sie nicht dem Original entsprechen.

Irgendwie ist das so, als wenn man über einem Gemälde eine Schmutzschicht gelegt hat und die Farben verfälscht. Oder als wenn Musik in einer anderen Geschwindigkeit gespielt wird.

Nur ein Beispiel vom Anfang des Buches, als das Luftschiff gerade gestartet ist. In der deutschen Übersetzung (Seite 13) befiehlt der Kommandant: "Wegtreten von Manöverstation."

Der Leser erfährt nicht, was das bedeutet, außer daß die Jungs "munter gehorchen". Ich dachte mir, nach dem Start wird die Mannschaft nicht mehr gebraucht bzw. sollen einen Ort verlassen (Manöverstation) und sich bereithalten für nächste Befehle.

Pynchon schreibt: "Now secure the Special Sky Detail." Das bezieht sich auf einen nautischen Ausdruck (statt "Sky" heißt es dort "Sea"), der nichts mit "wegtreten" zu tun hat. Was auch immer an "Details" abzusichern, sicherzustellen ist, die Jungs werden angewiesen, etwas zu tun; "Wegtreten von Manöverstation" bedeutet aber, nichts zu tun.

Ist vielleicht für die Gesamtaussage des Romans nicht wichtig, aber so fügen sich Kleinigkeiten an Kleinigkeiten und verändern jedesmal wieder ein Stück mehr die von Pynchon beschriebene Atmosphäre.

Schon auf der ersten Seite des Textes, wo die gefallenen Kommandos beim Start des Luftschiffes unglücklich übersetzt hat.

Ein anderer Punkt. "Chums of Chance" das man nicht übersetzten hätte müssen, sondern als Eigennamen stehenlassen können, hat man unglücklich in "Freunde der Fährnis" übersetzt.

Den Name des Luftschiffes, Inconvenience, beläßt man, obwohl er nicht sowas wie "Queen Mary" oder so bedeutet, sondern vielleicht "Belästigung" im Sinne von "Feinde abhalten" meinen könnte. Und tatsächlich gibt es britische Kriegsschiffe, die zum Beispiel "Incendiary" ("Aufwiegler") heißen.


Nicht schlecht gestaunt hab ich auch auf Seite 185 der deutschen Ausgabe, wo von einem "Frachtzentrum für Reale Opticomagnetische System-Theorie", abgekürzt "F.R.O.S.T." die Rede ist.

Da die Abkürzung oft verwendet wird, hab ich mal nachgesehen, was Pynchon geschrieben hat (Seite 122): Inter-Group Laboratory for Opticomagnetic Observation (I.G.L.O.O.).

Aus "Igloo" (dt. Iglu, Schneehütte) wird "Frost". Zwischen beiden Begriffen gibt es sehr viel Gemeinsames: das eine schützt vor Kälte, das andere bedeutet Kälte.

Und aus "Interdisziplinäres Labor für Optisch-magnetische Beobachtung" wird ein "Frachtzentrum für Reale Opticomagnetische System-Theorie". Hier gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten.

Auch wenn Pynchon das alles nicht so ernst nimmt, ist der Weg von seiner Einrichtung zu der des Übersetzungs sehr gewagt. Dabei hätte man, ohne Schaden anzurichten, den Begriff unübersetzt lassen können und wäre damit bei "Igloo", das jeder deutsche Leser mit Iglu verbunden hätte, erst recht die, die Pynchon's Romane lesen, geblieben, statt "Frost" zu bekommen, im wahrsten Sinne des Worte, weil alle verwendeten Worte sich ohne Wörterbuch erschließen.


Eben sehe ich, die Übersetzung von Pynchon's "Gravity's Rainbow" geht mit einem ähnlichen Problem besser um.

Auf Seite 17 von "Die Enden der Parabel" steht "ACHTUNG" für "Allied Clearing House, Technical Units, Northern Germany". Die deutsche Ausgabe übersetzt nicht, verwendet entsprechend auch ACHTUNG (Seite 32).


Solche "Kleinigkeiten" machen das Lesen und Genießen von "Gegen den Tag" schwer, weil Pynchon's literarischer Reichtum gestutzt wird und man letztendlich die Übersetzung sich nur zu Gemüte führen kann, wenn man das Original hinzuzieht.

Das ist bei "Die Enden der Parabel" weit weiniger wichtig und nach meiner Auffassung keinesfalls nötig.


[19:10]

Nach allem, was ich die letzten Tage an der deutschen Übersetzung von "Against the Day" kritisiert habe, wird wohl bald eine freie Übersetzung kommen. Denn wenn der Verlag kein Geld oder keine Zeit für eine ordentliche Übersetzung hat, dann noch die Rechtschreibung für leistungsschwache Schüler durchdrückt, wird es wohl nicht lange dauern, bis deutschsprachige Pynchon-Anhänger eine ihnen gemäße Übersetzung schaffen.

Oder vielleicht einfach ohnehin das englische Original lesen... Aber wer Deutsch als Muttersprache gelernt hat, wird deutsch denken und fühlen. Insofern ist eine gute deutsche Übersetzung immer besser als das fremdsprachige Original. Insofern. Wer jedoch englisch denkt und fühlt ...


Wenn der Übersetzer Bedeutungen dem Original nicht entsprechend oder sogar widersprechend übersetzt, entstellt er den Stil des Autors. Der ist kein guter Übersetzer, welche Begründungen (Ausreden?) er auch vorträgt.

Das mag bei Groschenhefte zu keinem Problem führen, aber wer 30 Euro für ein Buch ausgibt und sich womöglich Monate mit ihm beschäfftigt, darf Qualität erwarten.

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Donnerstag, 15. Mai 2008

[15.05.2008, do, 11:15]

Bin vom Lauf 441 zurück.


[13:30]

Hätte heute fast meinen Führerschein abgespeckt, die Klassen C (LKW) und D (Bus) streichen lassen, damit mich das Arbeitsamt nicht mehr nerven kann und mich zur Fahren der entsprechenden Fahrzeuge drängen kann.

Mein Entschluß läßt sich auch durch Sicherheitsverständis decken: LKW bin ich Jahrzehnte nicht mehr gefahren, Bus seit rund einem dreiviertel Jahr. Was ich irgendwann einfach an Fährigkeiten erworben habe, ist verkümmert, reicht nicht um ein großes Fahrzeug, schon gar nicht mit vielen Menschen an Bord, sicher zu führen, weil ich viel zu sehr mit mir selbst zu tun habe, weil sich keine Fahrroutine ausbilden konnte.

Meinem Bruder schrieb ich heute:

fürs abspecken meines führerscheins ist alles vorbereitet (brauche also nur zur führerscheinstelle, fertig), bin aber heute noch nicht los.

an meinem busschein hängt ja viel herzblut, und im grunde hab ich ja gar nichts gegens busfahren, sondern gegen die beschissene bezahlung, die knebelverträge, die alten busse, mit den ordentlich zu bremsen und zu lenken teilweise nicht möglich ist usw. usw.

du weißt ja, die hoffnung ... vielleicht gibt es doch noch eine tolle gelegenheit ... mehrere hundert euro (böcky sagte was von 500), um meinen bus- und lkw-schein nach meinem 53. geburtstag verlängern zu lassen, werde ich aber nicht ausgeben.

ich bin also bereit, meinen führerschein von heute auf morgen abzuspecken, werde aber warten, bis ich es wirklich tun muß. vielleicht nervt mich aber auch das arbeitsamt nicht mehr, weil der psychotest gezeigt hat ...

Das als Information, ohne tiefer auf den Sachverhalt oder meine Wünsche und Gefühle einzugehen.

Dafür ist Zeit, wenn ich meinen Führerschein abgespeckt habe.


[14:00]

Von "Against the Day" eine neue Übersetzung anzuferigen, wird wohl nur privat möglich sein, weil, so vermute ich, nachdem ich nachgelesen habe, der Autor oder dessen Verlag einen Vertrag mit dem der deutschen Übersetzung geschlossen hat, der, so vermute ich weiter, ein alleiniges Recht auf die deutsche Übersetzung einschließt, um die Investion des Verlages zu schützen und Gewinn zu garantieren.

Deshalb müssen sich weder Verlag noch Übersetzer Mühe geben, sondern können Dienst nach Vorschrift tun - sie haben keine Konkurrenz. Wer "Against the Day" in deutsch lesen will, muß ihre Übersetzung lesen oder das Original.

Vermutlich ist es auch egal, wie viele Leser sich über die Übersetzung aufregen: wer nicht auf die Übersetzung angewiesen ist, liest das Original, wer das nicht kann, liest die Übersetzung, oder läßt es eben sein.

Wenn der eine Übersetzer von "Against the Day" sagt, er hätte rund 5 Seiten pro Tag übersetzt, dann erscheint mir das sehr viel, immerhin muß auch ein Übersetzer Abstand zum Text gewinnen, um Formulierungen abzurunden. Meist sind die ersten Ideen nicht die besten.

Bevor sich der Übersetzer an die Arbeit macht, sollte er das gesamte Buch gelesen haben, bei Autoren wie Pynchon mindestens einmal. Das sind über 1.000 Buchseiten.

Korrektur gelesen muß alles auch noch. Nochmal rund 1.600 Buchseiten.

Also: selbst wenn zwei Übersetzer ein Jahr an "Gegen den Tag" gearbeitet haben, ist das zu wenig, um eine gute Arbeit leisten zu können.

Aber, was rege ich mich auf: wenn ein Übersetzer einfach mal nach eigenem Ermessen Sätze hinzufügt und damit das Original nicht nur nach seinem Geschmackt übersetzt, sondern es auch umschreibt, wird er sich einen Scheiß um die Meinung der Leser kümmern.

Im normalen Lesen, könnte Sätze hinzufügen, schon mal eine Klage wegen übler Nachrede einbringen ...

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Freitag, 16. Mai 2008

[16.05.2008, fr, 9:00]

Gestern abend hab ich wieder in Frank Schätzings "Der Schwarm" gelesen. Heute nacht hatte ich gleich wieder wilde Träume, in denen Meer, Sturm und Ungeheuer vorkamen.

Leider folgt auf mehreren Seiten anspruchsvollem Text beziehungsweise Inhalt mit entsprechenden Dialoge, oft sinnloser, zumeist als Dialog, der vom eigentlichen Geschehen ablenkt und sich, da ich sehr konzentriert gelesen habe, übermächtig ins Hirn einbrennt und unberechtigt starke Spuren hinterläßt, während ich mich fragen, was hat mich da eben so sehr interessiert hat.

Vermutlich deshalb der Traum, dessen Ende ich herbeisehne.

Den ich dann aber wohl aushalten muß, denn die Thematik interessiert mich sehr.


[9:00]

Gestern hab ich in "Gegen den Tag" Seiten gelesen, die der zweite Übersetzer geschrieben hat. Haben mir nicht besser gefallen als die des ersten.

Ich frage mich, ob es in einer deutschen Bank vor dem ersten Weltkrieg eine Tätigkeit mit der Bezeichnung"Abteilungsleiter" (Seite 914) gegeben hat. Pynchon schreibt "Manager", läßt also Spielraum.

Kit Traverse wird in einer Bank "beckoned into its back regions" (gewunken in seine hinteren Regionen), um ihm nicht in der Öffentlichkeit unangenehme Nachrichten zu überbringen oder um ihm zu zeigen, wieviel Wert man auf ihn legt, vermute ich. In der Übersetzung wird das zu "in die hinteren Räumlichkeiten geführt". Ganz schön dick aufgetragen.

Pynchon schreibt in seinem (englischen) Text oft deutsche Worte. Auf Seite 615 sind das:

Obwohl Pynchon "Herr Bankdirektor" als Anrede vorgibt, was nicht heißt, daß die angesprochene Person auch einer ist, sondern wohl mehr ein Zeichen von Unterwürfigkeit bedeutet oder Anpassung an ein sehr auf Hierarchien und Titel fixiertes Land, in dem man gern die Person höher einstuft.

In der "Übersetzung" wird "Herr Spielmacher", nicht mal "Herr Abteilungsleiter".

Der Übersetzer ist auch ansonsten sehr großzügig. Aus

Brightening, the banker risked a fast look at Kit's face.

wird

Die Miene des Abteilungsleiters hellte sich auf, und er riskierte einen raschen Blick auf Kits Gesicht.


[10:30]

Meine Kritik mag kleinlich erscheinen, dabei bin ich es nicht.

Übersetzer gehen meist locker mit dem Original um. Oft ist das auch kein Problem. "Der Schwarm" verbessert sich sogar in "The Swarm".

Frank Schätzing schreibt (Seite 131, Taschenbuch):

"Kein Problem. Er [sein Schnurrbart] wächst nach, sobald wir wieder auf Expedition gehen. Auf See wachsen alle mehr oder weniger zu. Ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht brauchen wir die Vorstellung, wie Abenteurer auszusehen, um nicht seekrank zu werden. Kommen Sie, wir gehen ins Labor. Möchten Sie vorher eine Tasse Kaffee? Wir können einen Abstecher in die Kantine machen."

Auch wenn das Gesagte "authentisch" sein mag, wie man gern Clemens Meyers "Als wir träumten" lobt, ist die englische Übersetzung ausreichend und die Verkürzung des Textes sehr angenehm (Seite 107, Taschenbuch):

'Oh, don't worry - it'll grow back in no time when the next trip starts. On the RV we all sprout beards. The lab's this way. Or would you like some coffee frist?'

Vielleicht sagt Frank Schätzing jetzt: Wenn du wüßtest, daß ich schon sehr gekürzt habe, würdest du mich loben statt kritisieren. Übersprünglich lautete mein Text [Achtung: Das ist meine Spekulation! Das folgende habe ich geschrieben, es ist kein Zitat aus Schätzings nicht veröffentlichtem Manuskript!]:

"... Wir können einen Abstecher in die Kantine machen. Ich empfehle jedoch nicht, den Fahrstuhl zu nehmen, da Sie wenig Zeit haben. Das an sich angenehme Beförderungsmittel entwickelt in letzter Zeit ein Eigenleben, dessen Auftreten wir nicht hervorsagen können, dessen Sinn uns gar völlig unbekannt ist: Hin und wieder hält er zwischen den Etagen und seine Fahrgäste gefangen. Sie werden lachen und sagen: Ein wissenschaftliches Institut mit unserem - das sage ich nicht ohne Stolz - hohem Renommee, das die unheimlichsten Gesehnisse der Welt zu ergründen beabsichtigt, denkt nicht einmal die Fehlfunktion eines vergleichbar einfachen technischen Gerätes auf, tja, aber so ist das. Vielleicht denken wir einfach zu kompliziert. Außerdem sind wir ja im eigentlichen Sinne keine "Techniker". Ihre Entscheidung war richtig. Ist ja auch nicht schwer gefallen. Für die kurze Stecke braucht man keinen Fahtstuhl. Aber manche Besucher bestehen auf seine Nutzung. Vielleicht ein Art Statushandlung?" Bohrmann dreht sich zur Seite und sah seinen Begleiter tief in dessen himmelblaue und wunderschönen Augen, und dachte, während seinen Körper ein Schauer durchfuhr, an die Worte seiner besten Freundin, einer Kumpeline, nichts Sexuelles zwischen ihnen, die schon vor Jahren prognostiziert hatte: 'Irgendwann wird ein Mann mit wunderschönen himmelblauen Augen in dein Leben treten. Du wirst dich in ihn verlieben, wie du dich noch nie verliebt hast. Danach wirst du nie wieder eine Frau lieben.' Er verdrängte den Gedanken in der Hoffnung, die Vorhersage würde nicht eintreten, so wie ein Kind, welches die Augen geschlossen hat, überzeugt ist, nicht gesehen zu werden, und fand zu seinem Gedanken zurück, sagte: "Sie wohl nicht. Na ja, tut mir leid. Aber sicher ist sicher. Der Kuchen ist übrigens sehr zu empfehlen. Ach, Sie wollen weder Kaffee noch Kuchen. Aber das hätten Sie doch ... Wollte Sie, aber ich hab Sie nicht zu Wort kommen lassen. Tut mir leid. Nach einem Vortrag sprudeln nach einige Zeit Worte aus mir heraus, wie ... wie Methan aus Methanhydrat, wenn es auf der Tiefe des Meeres an die Oberfläche kommt und schmilzt." Heute war er großartig, nicht nicht zu bremsen. Wenn er nur immer so schlagfertig sein würde. Vielleicht sollte er sich jetzt aber beruhigen, denn er hatte Besuch, und es gehörte sich nicht, immer nur von sich und seiner Arbeit zu erzählen. Was wollte er seinem Gast anbieten? Kaffee. Bohrmann fragte: "Sie wollten Kaffee?"

Im Original geht es wie folgt weiter (Seite 132):

"Nein, ich bin neugierig. Kaffee kann warten. Sie gehen wieder auf Expedition?"

Über so viel zusätzlichen Text würde sich der Übersetzer noch mehr freuen, wird er doch noch den zu übersetzenden Seiten bezahlt. Also: streichen, streichen, und den Verdienst steigern.

Aber nichts für ungut, Frank Schätzings "Der Schwarm" ist ein Kracher. Nicht nur wegen der vielen verkauften Exemplare, der Übersetzungen in vielen Länger, der Verfilmung in den USA, sondern insbesondere wegens des Themas und seiner Darbietung.

Davon abgesehen: ich lese lieber ein Buch, bei dem ich einiges Zeilen schnell lese oder überlese, was zu viel sagt, als ein Buch, bei dem ich als Leser kalt und steif werde und mich frage: Liest denn überhaupt der Autor seinen Text auch und gern oder ist sein Schreibstil für auch ihn eine Notlösung, weil er das Thema nicht ansprechend und zugänglich darstellen kann?

Einfach frei von der Leber weg zu schreiben, macht auch mehr Spaß, als um jedes Wort zu ringen. Man sollte als Leser auch mal an den Autor denken!

Ja, Sie verstehen richtig: mit Autoren bin ich weniger streng als mit Übersetzern. Das liegt in der Natur der Sache: egal wie wichtig eine gute Übersetzung ist, sie kommt immer erst nach der Original.


[18:30]

Der Genuß geht weiter:

Chigaco

Earth, Wind & Fire

at the Greek Theatre

in Los Angeles

LIVE


[19:30]

Nicht nur heute hatte ich einen schönen Tag, die ganze Woche war gut.

Der Ärger hat sich in Grenzen gehalten, weil ich mich durch ihn nicht von meinem Spaß hab abhalten lassen.

So gelassen möchte ich gern öfter sein.

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Sonntag, 18. Mai 2008

[18.05.2008, so, 15:00]

Habe neben "Der Schwarm", mit "Lautlos" und "Die dunkle Seite" weitere Bücher von Frank Schätzing gelesen.

Bei "Lautlos" bis Seite 100, bei "Die dunkle Seite" bis Seit 50.

Im Gegensatz zu "Der Schwarm" lesen sich beide Bücher straffer, haben weniger Luft im Text, keine sinnlosen Dialoge, keine verwirrenden Beschreibungen.

Während ich bei "Der Schwarm" teilweise mehrere Seiten mit den Augen über den Text gerast bin, um ihn hinter mich zu bekommen, habe ich bei den beiden ruhig gelesen und Wort, Sätze genossen.

Hatte ich beim Lesen von "Der Schwarm" einen schlechten Tag oder unterscheiden sich die Bücher wirklich? Das werde ich herausfinden, indem ich mit "Der Schwarm" noch einmal anfange.

[Anmerkung am 12. September 2012, 16 Uhr 45, Stavanger, Norge: Eben hab ich ein weiteres Expemplar von "Der Schwarm" erhalten - das erste liegt noch in meiner deutschen Wohnung - und werde noch einmal mit dem Lesen beginnen.]

Aber wohl nicht heute, denn ich werde zuerst in den anderen beiden Bücher weiterlesen.

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Montag, 19. Mai 2008

[19.05.2008, mo, 19:00]

So sehr unterscheidet sich "Der Schwarm" nicht von "Lautlos" und "Die dunkle Seite".

In "Der Schwarm" wird vielleicht etwas mehr "gequatscht", weil auch sehr viele wissentschaftliche Themen ausführlich abgehandelt werden. Insofern ist das Verhältnis zwischen lockeren und ersten Gesprächen ungefähr gleich.

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Dienstag, 20. Mai 2008

Hab mal wieder William S. Burroughs' "Naked Lunch" reingelesen. Bisher hab ich noch nicht mitbekommen, was viele an dem Buch finden.

Auf Seite 79ff (Ullstein-Taschenbuch) las ich sehr glaubhaft beschrieben wie Mary sich den "Stählernen Dan aus Yokohama" (Steely Dan from Yokohama), einen mit Milch gefüllter Dildo, umschnallt, nachdem sie Johnny einen geblasen hat, um ihn nun zu ficken. Dabei gehen beide der Frage nach, ob Johnny einen Samenerguß haben kann, während er lacht. Nachdem der Versuch erfolgreich und irgendwie erheiternd ("Beeil dich, die Milch wird kalt") war, kommt Mark und fickt Johnny noch einmal.

Hat mich ziemlich mitgerissen. Fast wäre mir beim Lesen - ohne selbst Hand anzulegen - einer abgegangen.

[Anmerkung am 23. November 2012, fr, 12:40: Inzwischen gibt es ein Neuübersetzung von Michael Keller der ursprünglichen Fassung von Fehlern bereinigt und um alle unterdrückten Passagen ergänzt.]

[Anmerkung am 15. Dezember 2012, sa, 1:15: In "Naked Lunch: Die ursprüngliche Fassung", Rowohlt Taschenbuch, steht die beschriebene Szene auf den Seiten 115 bis 119.]

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Mittwoch, 21. Mai 2008

[21.05.2008, mi, 16:00]

Was ist, wenn ich auf Seite 218 eines Buches denke: Oh, noch über 200 Seiten bis zum zweiten Teil, also noch 200 Seiten weiter wie bisher, und dann weitere über 500 bis zum Ende.

Ja, ich sollte das Buch bei Seite legen.

Was ist, wenn ich auf der ersten Seites eines Buches, das den Anfang des 14. Jahrunderts beschreibt, lese: Verläßliche Straßen verwandeln sich durch herabstürtzende Wassermassen in tückische Sumpfpfade?

Sie meinen, ich sollte warten, mir weitere Seiten Zeit geben, um mich mit dem Buch anzufreunden.

Außerdem wissen Sie nicht, was mich an dem Satz stört.

Zunächst irritiert mich die Bezeichnung "Straßen". Ich weiß, schon die alten Römer bauten Straßen, aber die meisten Verbinden zwischen Orten waren Wege. Deshalb ist mir die allgemeine Beschreibung "Straßen wurden zu ..." zu hochgegriffen.

Der Beschreibung und Gegenüberstellung "verläßliche Straßen" und "tückische Sumpfpfade" kann ich ebenso viel abgewinnen wie "heller Tag" und "dunkle Nacht".

Dann gibt es "gefühllose Folterknechte". Vermutlich sind Folterer gefühlvoller als man meint, immerhin sollen sie ihre Opfer so lange wie möglich quälen, ansonsten könnte man sie gleich einem Henker übergeben.

Folgerknechte sind "häßlich sind wie der Teufel".

Das erinnert mich an die Beschreibung aus dem ersten Buch: Taucher mit Lampen auf dem Kopf sehen aus wie Aliens. Da fragte ich mich: aus welchem Film genau bitte.

Anfang des 14. Jahrhunderts "verzögern sich Reisewege". Damit kann ich nichts anfangen. Ist gemeint, die Reisezeit wird länger?

Dabei hab ich gerade mal zehn Seiten gelesen. Geht das jetzt so weiter bis Seite 200, wo ich mich dann festelle: Oh, bis zum ... Nein, der zweite Teil beginnt auf Seite 199. Aber das Buch hat 750 Seiten.


Da dachte ich, diese Bücher hebe ich mir für die Zeit auf, wenn ich leichte Literatur brauche.

Wobei ich da ja ein Buch von Johannes Mario Simmel lese kann. Von "Es muß nicht immer Kaviar sein", bin ich angetan. Leichte, unterhaltsame Kost, ohne billig zu sein.


Dann hab ich dann wieder einmal in Peter Weiss' "Die Ästhetik des Widerstandes" reingelesen.

Bevor ich Ende 1999 in die Zeppelinstraße umzog, besaß ich das Werk in drei einzelnen Bänden sowie, wenn ich mich recht erinnere, ein Buch mit Reproduktionen der besprochenen Bilder, Skulpturen.

Oder wollte ich die Bücher haben, kaufte sie aber nicht?

Weil, die Ausgabe, die ich besitze (sie vereint die drei Bänder in einem) scheint in den 1990er Jahren gekauft worden zu sein. Das Buch "Erfahrungen mit dem Roman" kaufte ich Mai 1988.

Wie auch immer. Ich las wieder einmal in Peter Weiss' "Die Ästhetik des Widerstandes" (Band 2, Seite 7).

Der bärtige Zwerg aus Ebenholz hielt in seinen Fäusten den Leuchter über mich. Kanapees, riesige gepolsterte Sessel, Tische mit Marmorplatten oder mit Intarsien verziert, spiegelten sich im Parkettboden, an den mit Damast bespannten Wänden hingen dunkle Gemälde, Seestücke, Landschaften, in schweren Goldrahmen, einem Altar gleich erhob sich der Vorbau des Kamins, und unter dem dreiteiligen Fenster in gotischem Stil führte eine Wendeltreppe hinauf zur Galerie, die, mit einem Geländer voller Chinoiserien, den Saal in halber Höhe umlief.

Nachdem ich diesen Satz gelesen hatte, fühlte ich mich befriedigt. Keine zehn Seiten oder 200, nicht einmal eine Seite brauchte ich, nur einen Satz, der meine Fantasie beflügelte.

Ein ähnliches Erlebnis hätte ich gestern mit Thomas Pynchon's "Gegen den Tag" (Seite 752f):

Der hohe, schwarze Rumpf ragte über ihnen auf wie ein Monument der Gefahren des Meeres, scheinbar losgelöst von den ausgelassenen Wellen, die ihn umspülten. Leere Droschken säumten die Pier in Vierer- und Fünferreihen, und die Kutscher mit ihren schimmernden Zylindern warteten darauf, daß die Leute aufhörten, zum Abschied zu winken, und ihre Gesichter eines nach dem anderen wieder dem Land und dem Tag zuwandten, von dem sie diese kurze Stunde genommen hatte.

... Die Schornsteine ragten in den Wind, die Antennendrähte sangen ...

Heute morgen erinnerte ich mich an meine Anfangszeit im Heizwerk Werder (1986/87), als ich einem Kollegen, der gern und viel las, eine von mir nicht zu Ende geschriebene Geschichte zeigte.

Er war begeistert, wollte wissen, wie es weitergeht.

Mir gefiel zwar Geschichte, aber nicht wie ich sie geschrieben hatte. Ich dachte, zu viele Worte, ohne daß wirklich etwas passierte.

Das stimmte jedoch nicht: ich hatte beschrieben, wie mich zwei Männer, beide größer und stärker als ich, die mit meiner Exfrau und einer ihrer Freundinnen im Nebenzimmer feierten, ein, zwei Stunden nach Mitternacht wecken und mir, während sie mich verprügelten, klarmachten, ich sollte mich zum Teufel scheren, wie ich kämpften, obwohl ich ich nicht gewinnen konnte, mehrmals flüchtete, wieder eingefangen wurde, wie meine Exfrau irgendwann sagte, nun sei es aber gut, und plötzlich war alles zu Ende. Nie wieder betrat ich als Bewohner diese Wohnung, in der alle meine Sache waren. Tage brauchte ich, bis ich wieder richtig sprechen, atmen konnte.

Trotzdem fand ich das alles nicht wert, beschrieben zu werden, weil es, auch wenn sich das jetzt eigenartig anhört, in meinen Augen Alltag war. Sicherlich schon oftmals verfilmt, oftmals beschrieben. Vielleicht mit den gleichen Worten.

Daran mußte ich denken, als ich feststellte: Oh, noch zweihundert Seiten ... Und da wurde mir klar: schon vor 20 Jahren wollte ich in solchem Stil nicht schreiben.


Die Geschichte hab ich übrigens (noch) nicht in meinen alten Unterlagen gefunden.

Wäre interessant, wie das Ganze im einzelnen abgelaufen ist. Als ich neulich einen Entwurf der Geschichte meiner Reise nach Wernigerode las, stellte ich fest, daß ich Einzelheiten vergessen hatte, im Grunde nur noch weiß, daß ich nach Quedlinburg wollte, aber aus dem Zug heraus festgenommen wurde unter der Beschuldigung, ich sei Republikflüchtling.

In der Skizze las ich, wo ich die Fahrkarte gekauft hatte, abgefahren war.

Als ich "schwere Pendeltüren" las, erschien der Bahnhof vor meinem geistigen Auge, als hätte ich ihn gesten betreten.

Auch erinnerte ich mich, daß ich oft von dort mit dem Zug nach Werder zur Arbeit fuhr. Jetzt ist der Bahnhof tot. Er wurde gebraucht, nachdem die Mauer gezogen war. Jetzt fahren alle Züge wieder über Potsdam-Stadt.

Wer weiß, was ich alles sehen würde, wenn ich die Geschichte vom Rausprügeln (durch Dagmars Schläger) lesen würde .

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Donnerstag, 22. Mai 2008

[22.05.2008, do, 10:00]

Die Geschichte über das Rausprügeln hab ich immer noch nicht gefunden, aber die Geschichte über die Fahrt nach Wernigerode ist auch aufschlußreich.

Ich begann die Geschichte im April 1989, also rund ein halbes Jahr vor dem Fall der Mauer, nannte sie "Die Fahrt zur Endstation".

Im Sommer 1989 sollte ich zu meinem zweiten Reservedienst eingezogen werden, dabei war ich vom ersten erst im Januar 1987 zurückgekehrt. Ich hatte die Schnauze voll. Die Vorstellung, daß man mich bis zur Rente alle zwei Jahre zur Reverve ziehen würde, machte mich verrückt. Ich war sehr wütend.

Dann noch meine Inhaftierung während eine Urlaubsreise. Einfach so. Gegen 10 Uhr holte man mich aus dem Zug. Als man merkte, ich würde keine Republikflücht "gestehen", ließ man mich weit nach Mitternacht gehen. Züge fuhren nur selten und nicht nach Potsdam. Irgendwie hab ich mich nach Magdeburg durchgeschlagen. Dort mußte ich wieder lange warten. Auch schon Kilometer von Wernigeode entfernt, hatte ich Angst, daß man mich nochmal einfängt. Irgendwann im Morgengrauen kam ich Potsdam an.

Am 21. April 1989 schrieb ich (war ein Entwurf; ist überarbeitet - siehe Hobby-Schriftsteller -, will nicht zeigen, wie, sondern worüber ich schrieb; außerdem hab ich vom Abschreiben nichts, da könnte ich die Seiten auch kopieren):

Während des Festgehaltenwerdens wachsen Boris [Ich-Erzähler] sichtbar schnell die Nägel. Er beißt sie kurz, macht es ungeschehen. [...]

Dem K-Beamten fällt Boris dankend um den Hals, als der ihn endlich gehen läßt. [...]

Im Zug sitzt Boris rauchend im Abteil für Nichtraucher, uriniert auf das mit seinen Nägeln aufgeschlitzte Polster. Im dunklen Fenster gewahrt er, eine andere Haarfarbe zu haben. Er hält ein Büschel vor die Augen, kann jedoch nichts erkennen. Er reißt es heraus, was nicht schmerzt, obwohl er feuchte Wärme an der Schläfe spürt. Die Haare sind grau. [...]

In der Residenzstadt [Potsdam] angekommen, schlägt er stahlfest die Stiefel auf den Bahnsteig. Seine Haare stellen sich auf. Das Weiß der Jacke färbt sich schwarz, wird hart wie Leber und von Ketten geziert. Boris marschiert auf einen Angestellten für Sicherheit und Zuversicht [Transportpolizei] zu, dem Angst das Gesicht zeichnet, während Boris im Takt seiner Schritte knirscht: Jetzt bist du dran, jetzt bist du dran. Plötzlich fallen Boris' Haare, seine Jacke wird weich, die Stiefel biegsame Schuhe. Mit warmer Stimme fragt er den Angestellten, ob in dieser nächtlichen Frühe eine Straßenbahn in die Stadt fahre. Der Angestellte lächelt verwundert, unsicher, öffnet dann die Kartentasche, um im Fahrplan des städtischen Nahverkehrs nachzusehen, wobei er Boris immer wieder prüfend anblickt. Als der Angestellte für Sicherheit und Zuversicht zuversichtlich in Boris' Augen sieht, um ihm die Abfahrt der nächste Straßenbahn zu nennen, sticht Boris seine langen festen Nägel in dessen Halsschlagadern. Blut pulsiert, fließt Boris' Hände entlang auf die Ärmel seiner Jacke. Der Angestellte wird bewußtlos, öffnet Boris die Hände. Der Angestellte fällt auf den Bahnsteig, sein Kopf hängt über den Gleisen. Boris steigt auf den leblosen Oberkörper, tritt gegen die blasse Stirn; mit einem Knack verabschiedet sich der Angestellte für Sicherheit und Zuversicht.

Boris bückt sich, um sich an der Uniform die Hände zu säubern, aber das Blut löst sich nicht, verschmiert nicht einmal. Boris geht den Bahnsteig entlang, vorbei an der Aufsicht. Durch das Fenster sieht er den Partner des Beamten kippelnd auf einem Stuhl sitzen, mit der Aufsucht flirten. Er lächelt ihm zu.

Am Ende des Bahnsteiges steigt Boris auf die Gleise hinab, um auf den Schwellen halt und einen Weg zu finden. Mit mittlere Geschwindigkeit kommt ein Zug entgegen. Es wird reichen, denkt Boris. Hundert Meter vor ihm weicht der Zug aus, schwenkt auf ein paralleles Gleis. Boris winkelt die Arme an. Er läuft, läuft immer schneller. Es dauert ihm zu lange. Alles dauert ihm zu lange.

Als ich Ende Oktober des Jahres von der Reserve kam, hatte ich keine Ahnung, daß in wenigen Tagen die Mauer fallen würde. Dann ging alles sehr schnell. Die DDR war Geschichte. Nie würde ich wieder zur Reserve gehen müssen. Mein zweites Leben begann.


[18:00]

So begann die nicht fertiggestellte Geschichte "Die Fahrt zur Endstation" (Text vom 9. April 1989, überarbeitet): ... hier sollte der Text beginnen.

Den Anfang hab ich schon sehr überarbeitet. Einige Formulierungen waren mißverständlich, sagten nicht, was ich meinte. Außerdem schrieb ich den Entwurf in der DDR, ohne zu ahnen, daß sie bald Geschichte sein würde, woraus wiederum Unverständlichkeiten entstanden sind, weswegen ich einiges hinzufügen mußte, was nichts mit dem damaligen Text zu tun hat. Nicht wenig hab ich auch ersatzlos gestrichen.

Deshalb präsentiere ich den Anfang des Entwurfes nicht mehr als "damals schrieb ich", sondern auf einer eigenen Seite als Geschichte: Fahrt ...

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Freitag, 23. Mai 2008

[23.05.2008, fr, 17:00]

Da ich mich über viele Bücher mehr ärgerte als freute, hab ich an der Geschichte "Fahrt ..." mehr gearbeitet als ich vor der Suche nach vor Jahren geschriebenen Entwürfen und kleinen Geschichten vorhatte. Einfach um mal zu sehen, ob und wie sich mein Schreiben entwickelt hat.

Ich wurde also wieder mehr Produzent (Schreiber) als (Konsument) Leser.

Unerwartet begegnete ich auf dem Weg zum Einkaufen mehrmals einen Lada Niva, dessen Besitzer kein Potsdamer, sondern ein Besucher ist.

Beides zusammen (meine Aktivität und das Gegenständliche eines alten Traumes) haben mich so sehr in Reiselust gebraucht, daß ich mich für den Kauf der vielen "nutzlosen" Bücher hasse, wünschte ich hätte das Geld nicht verlesen, sondern verreist.


Am 20. April 2006 bin ich das erstemal mit einem Lada Niva gefahren.

Schon vor zwei Jahren war mir - eigentlich ein alter Diesel-Fahrer - klar, daß sich ein Dieselfahrzeug für mich (altes Fahrzeug, nur Urlaubs-, keine Fahrten zur Arbeit) nicht mehr lohnen wird.

Heute, da Benzin- und Diesel-Kraftstoff gleich teuer sind (derzeit 1 Euro 52), Dieselfahrzeuge aber noch immer höher versteuert werden müssen, fällt die Entscheidung Benziner oder Diesel noch leichter, weil der etwas niedrigere Verbrauch eines gleichstarken Diesel bei Klein- und Mittelklassewagen erst, wenn überhaupt, nach mehreren zehntausend Kilometern finanziell vorteilhaft wird.

Ich will ja gar nicht an die Zeiten erinnern, als ein Liter Diesel 1 D-Mark 10, ein Liter Super 1 D-Mark 50 kostete... Meinem alten Mercedes Diesel Strich 8 reichten 10 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Mal schnell Silvester nach Kap Arkona zu fahren (rund 2x 400 Kilomter), kostete damals rund 90 D-Mark, würde heute, in D-Mark, rund 255 kosten, oder rund 130 Euro - falls man noch immer mit einem Strich 8 fährt.

Wobei sich 130 Euro keinesfalls so schlimm anhören wie 255 D-Mark. Man sollte aber in D-Mark umrechen, um den Unterschied deutlich zu spüren, denn die meisten verdienen nicht mehr als 1990/95.

Ich wette, wenn der Euro nicht eingezwungen worden wäre und heute statt 1,52 Euro an den Zapfsäulen 2,97 D-Mark stehen würde, wären schon einige Tankstellen in Feuer aufgegangen.

Außerdem würde allen die allgemeine Preissteigerung viel deutlicher: Du guckst auf deinen Lohnzettel - immer noch, sagen wir mal, 2.500 DM netto (wenn du Glück hast, ohne mehr Stunden dafür zu ackern), aber Benzin, Strom, Miete, Mehrwertsteuer, die Kosten, um die man nicht herumkommt, immer, immer höher!

Damals haben die Grünen gefordert: Der Liter Benzin soll 5 DM kosten! Da werden wir bald sein. Es fordert nur niemand mehr.


Aber das nur nebenbei. Zurück zu meinem Wunsch, wieder individuelle Reisen zu unternehmen.

Obwohl Reisen heute teurer als vor fünfzehn Jahren ist, bin ich zuversichtlich, weil meine persönlichen Ausgaben gesunken sind.

Nicht zu unterschätzen die Kosten für Zigaretten und Alkohol, die bei mir entfallen. Auch gebe ich kaum noch Geld für Kleidung und andere Schicklichkeiten aus. Obwohl ich dicker bin als damals, esse ich jedoch weniger; gelingt es mir, mein damaliges Gewicht zu erreichen und zu halten, entstehen für Essen auch kaum Kosten. Da ich nicht mehr auf eine Beziehung aus bin, gehe ich nicht mehr aus - früher hab ich am Abend locker mal 100 DM ausgegeben.

Eigentlich brauche ich auch kein Geld mehr für Bücher auszugeben. Bin versorgt mit sehr guten Büchern. Auch für zeitweise Leidenschaften wie Musizieren und Fotografieren bin ich gut ausgeüstet.

Na, mal sehn, wie sich das alles entwickelt.


Also ein Lada Niva wird es eventuell sein.

Lada bin ich schon gefahren, mit Fahrzeug und Technik vertraut. Eine Sitzschienenverlängerung werde ich wieder einbauen müssen, damit sich meine langen Beinen im Wagen besser fühlen. Ansonsten muß nichts verändert werden.

Ein geländegängiges Fahrzeug brauche ich deshalb, weil ich oft abseits von Straßen unterwegs bin, was mit meinen bisherigen Autos nicht selten in schwierige Situationen gebracht hat.

Mir fällt eine Fährt mit meiner Mercedes S-Klasse ein. Wird auf einem Weg zur einem See gefahren, wo ich langsam fahren mußte, um nicht aufzusetzen. Aber kein Problem und mit Automatikgetriebe antriebsschonend. Zum See selbst sind wir einen kleinen Weg bergab gefahren. Unproblematisch würde die Hochfahrt sein, schätzte ich ein, bevor ich hinab fuhr. Leider regnete es leicht, während ich tauchte und meine Freundin fotografierte. Als wir irgendwann abfahren wollten, war der Rasen so rutschig, daß immer eins der beiden antriebenen Hinterräder durchdrehte. Mein Gewicht auf der Hinterachse - ich saß auf der Kofferhaube - erhöhte die Haftung nicht. Auch zurück fahren und Anlauf nehmen, halft nichts - die Räder rutschten immer wieder ab einer bestimmten Steigung oder Glätte. Um den kurzen, aber rutschigen Hügel doch bis zum Weg zu kommen, mußte ich aus aufgelesenen Materialien dem Rasen ein Profil geben, über das ich die aus dem Fahrzeug entnommene Fußmatten immer wieder neu legte und den Wagen so Stück für Stück den nur wenige Meter langen, nicht einmal steilen Hang hoch zu fahren. Meine Freundin fang das sehr spannend, geradezu abenteuerlich. Ich war nur froh, daß wir es allein geschafft haben. Wir waren an einer abgelegenen Stelle, der nächste Ort weit entfernt. Ich meine, so haben es Städter gern, wenn sie ins Grüne fahren ...

Mit einem Allradfahrzeug hätten wir die Schwierigkeiten nicht gehabt. Wer noch nicht gesehen hat, wie viel mehr Vortrieb ein einfacher, nicht gesperrter Allradantrieb bringt, glaubt es nicht. Mit einem Allradantrieb wäre uns vermutlich gar nicht aufgefallen, wie rutschig der Rasen ist.

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Dienstag, 26. Mai 2008

[26.05.2008, mo, 14:00 - Nachtrag]

Im Briefkasten war: William S. Burroughs "Naked Lunch: The Restored Text".

Hatte ich 22. Mai 2008 bei bol.de bestellt. Hab 8,55 Euro bezahlt.

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Dienstag, 27. Mai 2008

[27.05.2008, di, 19:00]

Seit einigen Tagen beschäftigt mich wieder (siehe 27.12.2008) sehr das Sony Ericsson P1i.

Leider kostet es neu noch mindestes 290 euro plus Versand.

Da hab ich gestern mein Bluetooth-Headset beim K810i abgekoppelt und ans M600i angeschlossen, um mal zu sehen, ob es meine Sehnsucht (wonach eigentlich?) stillt.


[19:30]

Seit ich an meiner kleinen Geschichte Fahrt nach Wernigerode gearbeitet und viel Spaß dabei hatte, habe ich in keinem Buch mehr als wenige Sätze gelesen.

An der Geschichte hab ich aber nicht gearbeitet (außer Informationen zusammengetragen), weil ich irgendwie einen inneren Zwang spürte, so als wenn ich nach einem tollen Abend mit viel Alkohol am nächsten Tag unbedingt wieder trinken müßte, egal ob ich mag oder nicht.

Der Gefahr, diesem Zwang zu erliegen, wollte ich mich nicht aussetzen. (Falls ich mich ihm nicht schon bereits ausgesetzt habe!) Deshalb hab ich nicht weiter an der Geschichte gearbeitet. Lesen hat mir trotzdem keinen Spaß mehr gemacht.

Nach einigen Tagen interessiere ich mich plötzlich wieder für Autos, weitere Tage später dann Mobiltelefone. Das ist keinesfalls billiger als Bücher zu lesen, weil diese meist vorher gekauft kaufen müssen.

Irgendwie bin ich von einem Zwang zum anderen gewechselt. Das gefällt mir auch nicht. Wenn es nicht ohne geht, dann lieber Schreibzwang. Der kostet mich nichts, und macht am meisten Spaß, weil ich vollkommen in einer anderen Welt bin. In meiner Welt. Tatsächlich.

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Freitag, 30. Mai 2008

[30.05.2008, fr, 16:15]

War unterwegs im Stern-Center. Hab mir Mobiltelefone (insbesondere Sony Ericsson P1i) und digitale Spiegelreflex-Kameras (insbesondere Nikon D3) angesehen.

Zu Hause dachte ich: hier ist es aber angenehm kühl - dabei waren es 23/24 Grad Celsius in meiner Wohnung.

Aber draußen im Schatten 31!

Tja, das wars für heute auch schon meine Meldung.

Ich muß einfach vorsichtig sein: schreibe ich wieder mehr ins Tagebuch, erwecke ich nur meine Schreiblust, aus der dann schnell wieder Schreibzwang wird.

Jeder Schriftsteller würde sich wohl freuen. Obwohl: Schreibzwang bedeutet ja nicht, daß man mit dem Geschriebenen zufrieden ist.

Ist aber für einen Schriftsteller, der sein Geld mit dem Schreiben verdient, bestimmt besser als die oft beklagte Schreibblockade.

Man stelle sich mal vor, ein ... das gibt es alles. Letztendlich ist es wohl immer ein Zeichen, daß man in seinem Beruf etwas gemacht hat, was man nicht wollte, oder von dem, was man gern macht, zuviel gemacht hat.

Da hilft nur eine Pause. Je mehr Kreativität gefordert ist, desto länger.

Falls man noch nicht ausgebrannt ist und das Arbeitsgerät nie mehr sehen will. Wenn man in einer Beziehung den anderen wirklich über hat, hilft auch nicht: wir sollte mal Abstand nehmen.

Die Schreibmaschine oder der PC werden sich freuen. Endlich ... Da fällt mir der Film "Das geheime Fenster" ein, in dem Johnny Depp einen Schriftsteller darstellt. Überzeugend wie es sagt:

Werd ich erstmal ein Schläfchen machen. Dann irgendeinen Scheiß schreiben. Dann wieder bißchen schlafen.

So ein Leben kann sehr anstrengend sein. Jeden rechtschaffenden Menschen würde es zur Verzweiflung treiben. Nur wirkliche Lebenskünstler können so ein Leben führen.

Selbst arbeitswillige Schreibmaschinen und PC bekommen bei so einem mehr Liegenlasser als Hinsteller eine Krise.

So, jetzt ist aber genug. Macht mir schon wieder viel zu viel Spaß. So hat es letztend auch angefangen.

Ich lege mich dann mal lieber wieder hin.


[19:00]

Hab ich nicht gemacht. Paßte nur gut.

Gestern hatte ich Fotos gemacht und aus Versehen eine Kunststofftüte mit abgelichtet. Hab ich allerdings erst zu Hause gesehen. Also bin ich vorhin noch mal hin.

War aber keine Freude, bei 30 Grad Celsius im Schatten (18 Uhr 30) und wer weiß wie viel mehr in der Sonne. Hab nur schnell die Fotos gemacht, die ich wollte, um schnell wieder nach Hause zu kommen.

Vielleicht sollte ich nur noch nachts fotografieren? Kurz nach Mitternacht waren es 18 Grad - auch in der Sonne ...


[20:30]

Hab das kleine Klimagerät vom Bad in die Küche geholt. Der Abluft wird weiterhin aus dem Badfenster geleitet.

Im Bad in das Klimagerät zu warm geworden. Es wurde nicht gekühlt, weil alle kalte Luft in die Küche geblasen wurde. Ich hab mir sorgen gemacht, es würde kaputtgehen.

Im Bad zeigte es Temperaturen zwischen 28 und 30 Grad an (draußen 30 Grad). Jetzt, in der Küche, zeigt es 24 und weniger Grad an - je nachdem, wie warm es in der Küche ist.

Ob ich jetzt das kleine Klimagerät laufen lasser oder es ausschalten muß, weil es mir zu laut ist, muß ich noch herausfinden.


[21:45]

Außerdem ist es nicht gut, wenn ein Gerät Abluft aus dem Stubenfenster abbläst, das andere auf der anderen Wohnungsseite aus dem Badfenster, obwohl beide Geräte hinein in einen großen Raum kühlen.

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Samstag, 31. Mai 2008

[31.05.2008, sa, 9:30]

Eigentlich wollte ich zu einem Lauf aufbrechen, aber in der Sonne ist es jetzt (eigentlich erst 8 Uhr 30 Normalzeit) bereits so heiß, daß die Skale meines Thermometer überschritten wird und ich nur schätzen kann: 40 plus.


[16:00]

Im Schatten sind es 31 Grad Celsius.


[18:00]

Hab das große Klimagerät wieder in die Stube gestellt. Die Abluft führe ich zum Schornstein ab.

Das kleine Klimagerät steht in der Küche. Abluft wird durch Badfenster abgeführt. Das große Loch hab ich mit Tücher um den Abluftschlauch herum verschlossen.

Luft in die Küche kommt durch das Loch, das ich für den Abluftschlauch des großes Gerätes geschlagen habe.

Meist läuft nur das kleine und kühlt die Küche (rund 20 Grad; Gerät ist auf 22 Grad eingestellt). Ein Ventilator bringt kühle Luft in die Stube und eine kühle Briese bei rund 23 Grad vor dem PC. So kann ich in T-Shirt und Unterhose sitzen, ohne das mir zu kalt ist.

Hin und wieder schalte ich das große Gerät und kühle weiter herunter. Und frische auch die Luft auf: die gekühlte Luft aus dem großen Gerät riecht "frischer" als die des kleinen.


[19:00]

Hab mir bei ebay einige Klimageräte angesehen.

Splitgeräte sind komplett ab 250 Euro zu haben. Allerdings ist das Innenteil 41 db laut.

Ab komplett 300 euro ist das Innenteil 29-29 db laut, Kühlleistung 2.700 Watt.

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