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Studium-Enthemmung


Meine Studium-Hemmung

Diese Studiumhemmung trieb mich in eine über zweijährige Psychotherapie (rund ein halbes Jahr einzeln und fast zwei Jahre in einer Gruppe) bei namhaften Potsdamer Psychologen, die ich im Dezember 1997 abbrach, weil ich mich von Sitzung zu Sitzung beschissener fühlte.

"Beschiß" im doppelten Sinne.

Obwohl ich alle Aufgaben erfüllte und ziemlich viel Geduld hatte, kam ich dem Problem nicht einen Millimeter näher; zusätzlich fühlte ich mich nach jeder Sitzung mehr als Versager.

Ich fühlte mich, als hätte jemand einen Eimer Fäkalien über mir ausgegossen und dann von mir Geld verlangt!


[31.05.98]

Seit einigen Jahren komme ich mit meinem Studium nicht so vorwärts wie ich mir das vorstellte, als ich Anfang der 90er Jahre beschloß, Psychologie zu studieren, um eine Psychotherapeutische Praxis zu eröffnen.

Mit lag nichts daran, ein Studentenleben zu führen, immerhin bin ich auch schon vom Alter her eher ein Außenseiter. Ich wollte das Studium so schnell wie möglich hinter mich bringen, um nicht erst mit 50 eine Praxis zu eröffnen.

Aber ...

Im Herbst 94 (3. Semester) hielt ich einen Vortrag ... Das spielt keine Rolle. Das ist nur eine Folge von etwas, was ich noch nicht beschreiben kann. Was sich vielleicht aus Teilen zusammensetzt, die ich Stück für Stück aufspüren kann. Andreas, keine Tiefenanalyse ... die lenkt dich nur ab. Arbeite mit KopfDemokratie ...

[Ammerkung am 13.01.02, So, 10:04: Ich hielt das Referat schon am Ende des 1. Semesters, ich glaube, vor Weihnachten 1993, den Leistungsschein holte ich am 21.01.1994. Aber fast alle Referate danach, pfuschte ich hin, ich konnte, außer in einem Referat, nicht mehr gut sein, ich mußte immer schlecht sein, und irgendwann mußte ich so schlecht sein, daß es keinen Sinn mehr machte, zur Uni zu gehen ...]


[29.06.98]

Die Thematik fällt mir sehr schwer. Ich kann mich nicht entscheiden, mich mehr damit zu befassen. Erst recht nicht, nachdem ich weiß, daß es viele ausgebildete Psychologen gerade im Raum Berlin gibt, die für 10 Mark die Stunde im Sozialdienst arbeiten. Es sieht auch nicht so aus, als würde sich die Arbeitsmarktsituation ändern. Aus Potsdam möchte ich aber nicht wegziehen. Ich bin ziemlich starrköpfig... So wie es jetzt aussieht, würde sich meine gesamte Lebenssituation eher verschlechtern als verbessern, wenn ich mit dem Studium fertig sein werde.

Das heißt jedoch nicht, ich könnte loslegen, wenn ich glaubte, meine Lebensqualität würde sich nach dem Abschluß des Studium verbessern. Es gibt noch andere Faktoren, die mich hemmen.

Zum Beispiel scheine ich mich erst um alte Sachen kümmern zu müssen, bevor ich mich in das neue Gewühl stürzen kann, wo ich sehr wahrscheinlich nicht mehr soviel Zeit wie jetzt habe und mich dann wieder um aktuelle Sorgen werde kümmern müssen. Ein Teil in mir befürchtet, ich würde ihn und seine Sorgen vernachlässigen, wenn ich volle Kraft im Studium gebe. Leider befürchte ich das auch. Also werde ich mich mit diesen früheren, aber nicht vergangenen Gefühle auseinandersetzen müssen, bevor ich frei für die nächsten Hürden bin. Leider habe ich keine Lust dazu, außerdem ist es schwieriger als ich es mag.


[14.08.98]

Über einen Punkt habe ich noch nicht gesprochen. So ziemlich alles in mir sträubt sich auch, diese Aspekte mitzuteilen.

Es wird immer wahrscheinlicher, daß meine Lebensweise zwar zu meiner Gesundung beigetragen hat, aber auch meine "Studiumhemmung" verstärkt. - Das schrieb ich, bevor ich "So ziemlich alles in mir sträubt sich, diese Geheimnisse preiszugeben ..." geschrieben habe. Als ich meinem Widerständen nachging, erfuhr ich meine Gründe, widerständig zu sein.

Ich bin also ziemlich sicher, daß der derzeitige Hauptgrund für meine Studiumhemmung einfach in meinem Wunsch liegt, mein jetziges Leben NICHT zu verändern!

Was ich jetzt damit mache, weiß ich noch nicht. Vielleicht mich fragen, was sich verändert hat, warum Psychotherapeut mein Traumberuf war und jetzt nicht mehr ist.


[15.08.98]

Insofern sich mein Berufswunsch verändert hat, finde ich es sehr positiv, daß ich mich im Studium widersetze. Auch wenn sich mein Widersetzen verändert hat, so daß die jetzige Antwort auf die Frage nach dem Warum meiner Studierhemmung nicht die ist, die ich hätte ursprünglich, vor zwei oder drei Jahren geben müssen.

Aber auch das Damals ist überschaubarer geworden. Ich war sehr enttäuscht von den Menschen, die sich als Psychologen vorstellten. Wenn ich von einem Elektromeister einen guten Umgang mit Menschen nicht unbedingt erwarte, so doch von einem Psychologen. Aber genau darin wurde ich sehr enttäuscht. Nach der "Attacke" eines Dozenten (oder einer Dozentin, ich werde mich nicht weiter zur Person äußern) brach etwas in mir aus, was mich drei Monate nicht an die Uni gehen ließ, weil ich fürchtete, dem Chaos, das in ausgelöst wurde, nur durch einen Freitod ordnen zu können (siehe Selbstmord). Außerdem entfernte der Dozent mich aus einem Experimentalpraktikum aufgrund von Richtlinien, die wenig später nicht mehr galten.

Ich kann mich heute nicht weiter damit befassen. Das alles ist mir derzeit noch zu frisch. Meine Gefühle beginnen wieder zu kochen, wenn ich mich dem jetzt weiter nähere.

Mir ist klar, daß ich das mit mir klären muß, bevor ich mich richtig ans Arbeiten für Studium mache ...

Ja, selbst wenn Psychologe nicht mehr mein Traumberuf ist, vielleicht nie so war, wie ich es mir weisgemacht habe, heißt das nicht, daß ich das Studium abbreche.


[19.08.98, 18:00]

Ich habe das Gefühl, bei der Suche nach den Ursachen meiner Studierhemmung fündig geworden ist. Vor allem scheine ich allmählich bereit geworden zu sein, sie anzunehmen und auszutragen, indem ich mich ihnen verantwortlich stelle.

Unabhängig von dem, was an der Uni Potsdam oder sonstwo passiert ist: die alles auslösenden Probleme sind schon vor Jahren entstanden. Ich war nur nicht bereit, das einzusehen. Nicht zuletzt bedeutet diese Einsicht auch, daß alles an mir hängenbleibt, obwohl ich mit ihrer Entstehung nichts zu tun habe, außer der Empfänger zu sein. Das empfinde ich als die größte Ungerechtigkeit.

Trotzdem werde diesen Geschehnissen ins Auge sehen müssen, um den Blick auf mein Studium richten zu können. Und auf alles, was ich bis jetzt nicht so machen konnte, wie ich es gern getan hätte, wenn es nicht diese inneren und äußeren Verbote geben würde.

Insofern ist meine Untersuchung abgeschlossen und beginnt erst.


[19.08.98, 20:00]

Es heißt Abschied zu nehmen und in ein Land aufzubrechen, in dem ich keine Freunde habe, in dem ich ganz allein bin. Kein Karte führt seine Straßen. Kein Stern spiegelt sich im See.

Vielleicht finde ich doch eine Grund, die Reise abzusagen. Ich will nicht dorthin. Dort ist es so kalt. Dort versteht man meine Sprache nicht. Dort sehen alle anderes aus. Dort, dort - dort will ich nicht hin. Keine Musik kann mir ein heller Mantel sein.


[23.08.98]

Gestern habe ich mir sozialphobie.de komplett zu Gemüte geführt.

Martins Homepage wächst und gedeiht. Er hat Grund, stolz auf seine Arbeit zu sein.

Im Beratungsteil von KopfDemokratie verweise ich ja schon lange auf diese Seiten, hatte aber immer nur einige Teile gelesen. Nun also von vorn bis hinten. Das hat mir sehr gut getan. Was ich schon sehr lange fühlte, ist mir auch klar geworden: meine Studiumhemmung ist eine soziale Phobie. Desto frustrierender finde ich es, daß in meinen über zwei Jahre dauernden Psychotherapien nicht einmal das Wort Angst gefallen ist, ich meine, niemand hat nich gefragt, wovor ich Angst habe. Ich halte für sehr wichtig, direkt über Angst zu sprechen. Nicht drumherum zu reden wie "da habe ich eben einfach keine Lust" ist sehr wichtig. Wahrscheinlich kann niemand die Auswirkungen seiner Ängste verändern, wenn er nicht direkt von Angst spricht, sie fühlt und über sie denkt.


Fortsetzung mit Studium-Enthemmung ...

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