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Meine Mutter und ich

[24.05.99] (jüngster Beitrag: 31.05.99)

 

Ich bin etwas über 30 Jahre alt.

Meine Mutter hat mich mit ca. fünf Jahren an meinem eigenen Bettgestell gefesselt, damit ich mich nicht wehren konnte, um dann mit ihren Fingern in meinem Leib zu bohren.

Sie hat mir auch Gegenstände in die Scheide eingeführt. Es war ihr dabei egal, dass ich irre Schmerzen hatte und blutete.

Sie sagte, dass das alle Mütter mit ihren Töchtern tun würden, je früher umso besser, damit die Töchter lernen, was später die Männer von ihnen wollten. Deshalb sei es nur von Vorteil, dass sie so früh bei mir beginnen würde, und ich würde ihr später einmal dankbar sein, für das, was sie mir beibringen werde.

Meine Mutter gehört immer noch einer Religionsgemeinschaft an, der sie auch damals schon angehört hatte und in der sie mich versucht hatte zu erziehen. Sie benutzte dies auch als psychisches Mittel, indem sie sagte, dass ich doch wüßte, dass ich Gottes Zorn zu spüren bekommen würde, wenn ich ihr nicht absolut gehorchen würde, so wie Gott es von den Kindern verlangt.

Sie sagte, dass er mich lähmen oder sterben lassen werde, wenn ich mich ihr widersetzen würde, weil ich dann ja gegen Gott handeln würde. Um das zu vermeiden, werde sie mich schlagen, wenn ich mich ihr widersetzen sollte.

Sie tue das nur aus Liebe zu mir.

 

 

Ich trage mich schon seit längerem mit dem Gedanken, meine Mutter und meinen Stiefvater anzuzeigen.

Beide können das Verbrechen, welches sie an mir begangen haben, bis heute noch nicht zugeben.

Wenn ich sie damit konfrontiere, sagt meine Mutter, dass sie immer nur das Beste für mich gewollt habe und sie nichts bereue, ich solle mich doch nicht so anstellen und kein Drama aus meiner Kindheit machen.

Sie wollte doch nur ein bißchen "Spaß" mit mir haben, und wahrscheinlich habe ich auch meinen "Spaß" dabei gehabt.

Das "bißchen Gefummel", was sie mit mir gemacht habe, sowie die Prügel, die ich mir durch mein Wehren verdient habe, haben mich ja schließlich nicht umgebracht, also was soll denn mein Theater darum.

Sie sagt mir auch heute noch, dass ich ihr dankbar sein müsste, denn dadurch, dass ich sie auch befriedigen musste, hätte ich doch wenigstens gelernt, was für eine Frau gut ist.

Mein Stiefvater behauptet auch heute noch, dass ich ihn provoziert hätte und er es als richtig empfinde, dass er mich zur richtigen Frau gemacht habe.

Sex hätte ja noch keinem geschadet, und meine Verletzungen sind schließlich wieder geheilt, also was soll das ganze Aufheben darum.

Manchmal behaupten auch beide, dass das alles gar nicht statt gefunden hat und ich mir das nur einbilden würde.

 

 

[25.05.99]

 

Wie ich mich fühle, wenn ich das im Netz lese?

Es sind gemischte Gefühle in mir.

Da ist Angst, Angst vor der eigenen Courage. Hoffnung, dass es anderen Mißbrauchten Mut macht, sich ebenfalls in SGM zu öffnen. Fragen in mir, ob es wohl richtig ist, mich zu outen.

Das kleine Mädchen in mir hört die Stimme meiner Mutter, und alle damit verbundenen Androhungen, was passiert, wenn es irgendjemanden davon erzählt.

Ich versuche, das kleine Mädchen zu beruhigen, indem ich ihm sage, dass seine Angst und die Stimme der Bedrohung "im Falle wenn ...", berechtigt sind, aber dass es nun sicher ist und sich nicht fürchten muß, weil ich auf es aufpasse, damit ihm niemand weh tut.

In mir ist aber auch Erleichterung, weil es so möglich ist, im Rahmen der Anonymität, diese Verbrechen heraus zu lassen. Es tut mir wohl. In der Newsgroup wäre das mir nicht möglich gewesen.

 

 

[31.05.99]

 

Fast alle Missbrauchsopfer haben Probleme mit ihrer Sexualität, dennoch wird dieses Thema, was eigentlich alle irgendwie angeht, z. B. in der Newsgroup totgeschwiegen. Aus Scham oder welchen Gründen auch immer.

Im Rahmen einer von mir begonnenen Therapie, kam der Therapeut auch auf das Thema Sexualität zu sprechen. Er wollte von mir wissen, wie es denn bei mir mit meinen Problemen aussieht.

Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass ich in meiner Beziehung meine Sexualität frei ausleben kann und es auch gerne tue, daß ich kein Problem mehr mit habe und es genießen kann.

Ich erhielt eine empörte Reaktion von Seitens des Therapeuten, er sagte mir, dass ich ja dann wohl nicht so fürchterlich missbraucht sein könnte, wenn ich denn nun Freude an der Sexualität hätte.

Ich war wie vor den Kopf gestoßen!

Es war ein langer, sehr langer und schwieriger Weg für mich, meine positiven Gefühle zuzulassen und unsere Liebe auch mit Genuß zu leben. Ich war und bin sehr glücklich darüber, dass es so ist. So habe ich damals die Welt nicht mehr verstanden.

Dasselbe ist mir noch ein zweites Mal bei einem Therapeuten passiert.

Beide Therapien habe ich abgebrochen. Ich habe mich richtig schuldig gefühlt, weil ich als missbrauchte Frau ein erfülltes Sexualleben führe.

Mir wurde ganz klar gesagt, dass wenn man missbraucht worden ist, so etwas gar nicht möglich ist, auch wurde mir die Frage gestellt, was ich denn ich der Therapie wolle, wenn das für mich kein Problem darstellt.

Oh, es war schon ein Problem und kein kleines, aber wir haben gemeinsam daran gearbeitet, denn durch die Liebe zu meinen Mann, waren ja auch die Gefühle und Bedürfnisse da. Ich habe langsam gelernt, Sexualität nicht mehr mit Schmerz und Qual zu verbinden und habe es geschafft, durch sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen durch meinen Mann, meine Gefühle zu ihm zuzulassen und dann auch langsam und immer mehr zu leben. Das ist für mich etwas sehr positives, also verstehe ich nicht, dass ich solche Reaktionen bekommen habe.

Irgendwie ist das aber immer noch überall ein Tabuthema. Meine Mutter sagte z. B. auch, was ich denn wolle, so schlimm kann es ja gar nicht gewesen sein, wenn ich denn nun drei Kinder habe. Sie benutzt das, um sich "sauber" zu sprechen.

Das heißt doch dann im Klartext: wenn eine Frau missbraucht worden ist, darf sie oder hat sie kein Sexualleben zu haben. Ich finde diese  Gedankengänge pervers.

Sicher mag es viele Frauen geben, die nie wieder ein Sexualleben führen wollen/können, aber ist das so verwerflich, wenn das für mich nicht zutrifft, dass ich da solche Reaktionen erhalten musste?

 

Gleichzeitig zu meinem erfüllten Sexualleben habe ich z. B. schon immer noch Probleme, wenn mich fremde Menschen oder mir nicht so nahestehende Personen anfassen.

Außerdem habe ich auch nach wie vor noch mit Phobien zu kämpfen, die mein Leben beeinträchtigen, und das nicht wenig, aber das schließt doch das andere nicht aus? Zumindest sehe ich das so.

 

Wer hat Ähnliches erlebt und kann meine Empfindungen verstehen?

Wer kann sie ganz und gar nicht verstehen?

 

Schreiben Sie an: [Schreiben Gegen Mißbrauch ist nicht mehr aktiv.] 

 

Siehe bitte auch auf Kontakte.

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