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Grit Poppe

[21.12.98]

In "Denn Autoren wissen, was sie tun" las ich, daß Elisabeth Ruge Grit Poppes "Andere Umstände" verlegt hat.

Grit Poppe kenne ich. Mitte der achtziger Jahre lernte ich sie in einer Runde von Schreibenden und Literaturinteressierten kennen.

Während ich nur wollte, daß man mir zuhört, wollte sie damals schon schreiben.

[Anmerkung am 8. Mai 2016, so, 18:25: Statt "in einer Runde von Schreibenden und Literaturinteressierten" schrieb ich "Zirkel Schreibender Arbeiter", der im Kulturhaus (ehemalige Rathaus mit Ratskeller) Potsdam Babelsberg stattfand. Aber Grit schrieb mir und bat mich eindringlich das nicht zu schreiben: siehe Tagebuch vom 30. April 2008, 17 Uhr.]


[08.02.99]

Es ist schwer, über das Buch von Gritt Poppe zu schreiben. Mir fehlt der Abstand. Zumal hat sie ein Buch geschrieben und verlegt - während ich ... nun gut, lassen wir das.

Ich habe es gelesen. Manche Bücher von Menschen, die ich kenne, habe ich nicht zu Ende geschafft, weil ich - bei aller Sehnsucht - lieber kein Buch veröffentlichen würde, als solches.

Grits Buch wünsche ich mir konsequenter. Manchmal ist sie herrlich cool - da hat sie mich begeistert. Manchmal scheint sie mir noch etwas Angefangenes zu Ende zu bringen, weil es eben sein muß - so brav fand ich sie nicht gut. Aber wie gesagt ... Beim Schreiben ist es wie im Leben - Meckern ist leichter als Bessermachen.


So beginnt Grits Roman:

Es ist das erste Mal, daß ich nach San Francisco fliege.

Das Flugzeug dreht eine langsame gemächliche Runde über die Golden Gate Bridge. Ich sehe die Lichter. Es ist Nacht. Mein Baby liegt in meinem Arm, schläft und schwitzt.

Der Kapitän räuspert sich, bevor er sich kurz und gelassen verabschiedet. Es klingt, als wäre er gerade aufgewacht.

Die Menschen an Bord bleiben stumm. Niemand klatscht. Von Atlanta sind wir fünf Stunden geflogen.

Kurz nach dem Start schnallten sich die amerikanischen Passagiere ab. Sie stürzten sich auf die freien Sitzreihen, warfen sich lang hin und schlossen die Augen. Im ersten Moment dachte ich, es handle sich um eine Übung für den Fall eines Absturzes. Der Mann in meiner Reihe flüchtete wie die anderen, und so hatten mein Baby und ich drei Sitze für uns.

Die Stewardessen brachten Chips und Erdnüsse und Getränke. Dann wurde »Ghost« gezeigt. Der Film lief in englischer Sprache, und ich kannte ihn schon. Trotzdem weinte ich etwa eine halbe Stunde lang. Ich hörte Viktor etwas sagen; ich fuhr herum, aber da lag nur ein Amerikaner, der im Schlaf murmelte. Ich versuchte mir vorzustellen, wie Viktors Seele über uns schwebte oder neben uns. Doch ich sah ihn so deutlich vor mir: seine ungelenken, ungeduldigen Bewegungen, wenn er den Reißverschluß seiner Jacke hochzog. Er hatte es eilig; er haßte es, zu spät zu kommen. Der Reißverschluß klemmte. Sein Haar stand ein wenig zu Berge; elektrisiert vom Kämmen. Ich konnte ihn in keinen leichtfüßigen Geist verwandeln.

Nach dem Film gab es Abendessen, und anschließend einen Thriller, bei dem ich eindöste.

(Aus: Grit Poppe "Andere Umstände", Berlin Verlag, 1998, Seite 11.)


[04.09.00]

1990 erschien eine kleine Anthologie, in der neben Grit Poppe und anderen aus dem Zirkel, der "Club der jüngsten Poeten" hieß, als Grit ihm beitrat, sowie zwei meiner Geschichten veröffentlicht sind: Hobby-Schriftsteller.


[04.01.02]

"Andere Umstände" gibt es jetzt auch als Taschenbuch und in neuer Rechtschreibung.


[13.04.2008]

Welche Bücher von Grit Poppe außerdem erschienen sind, wann sie aus ihren Büchern liest ... das erfahren Sie auf der sympathischen und informativen Website der Autorin: Grit-Poppe.de.


[30.12.2012]

Grit Poppes Webseite wurde neu gestaltet und erweitert.

Auf der Seite "Biografie" teilt sie viel über Leben mit.

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