Home | Große Plan


agte

Zu schreiben, fasziniert mich schon fast 30 Jahre.


Der Versuch, mich an ein neues Projekt heranzutasten ...


[28.01.99, vormittags]

Diesen Satz - zu schreiben, fasziniert mich schon fast 30 Jahre - schrieb ich heute in Fotografie, als ich meinte, Fotografieren würde wohl eher Esras Hobby werden als meins.

Nun beginne ich also wieder ein neues Buch.

agte wäre früher eine neue Domain geworden. "agte.de" - nicht schlecht. [Anmerkung am 19. September 1999: Inzwischen hat Karl Agte aus München die Domain agte.de registrieren lassen.] Jetzt wird es eine Seite, von der ich noch nicht weiß, was ich auf sie bringe und was sie mir bringen wird.

Worum es gehen wird, weiß ich schon. Jedenfalls ungefähr. So wie man eben eine Vorstellung von einem Buch hat, das man schreiben wird. Wie das Buch dann wird, weiß man vorher nicht.


[28.01.99, nachmittags]

Zu schreiben, fasziniert mich schon fast 30 Jahre... 1973 oder 74 schrieb ich mit einer kleinen Reiseschreibmaschine, die meiner Mutter von einer Kollegin gekauft hatte, meine Deutschhefter ab, damit ich nicht immer sehr schlechte Noten in Ordnung bekam. In den Auswertungen zur Hefterordnung wurde ich fortan immer lobend und als Beispiel erwähnt.

Ich erinnere noch die Tumulte, weil Schüler vermuteten, nur mit Maschine geschriebenen Hefte würde in Ordnung mit "sehr gut" bewertet. Na ja, man muß auch schon etwas schreiben können, die Maschine allein macht es nicht.


[29.01.99]

Vielleicht wird agte doch noch eine de-Domain. Highspeed-Server kündigt für März 1999 ein kleines Angebot an.

An KopfDemokratie hat mich gestört, daß ich nicht mal 100 KB Daten hatte, aber für 2 beziehungsweise 5 MB WebSpace bezahle. Nun gut, wahrscheinlich wird KopfDemokratie demnächst eine geparkte Domain. Die Gebühr bei der DENIC ist noch bis 30. April 2000 bezahlt. KopfDemokratie zu kündigen und bei der DENIC löschen zu lassen, würde nicht nur bedeuten, Geld zu verschenken, sondern auch Zugriffe ins Leere laufen zu lassen. Bedauerlich, weil ich KopfDemokratie bei vielen Suchmaschinen gemeldet habe. Als geparkte Domain ist ihre IP mit dem von thieme.org identisch.

Außerdem ...


[30.01.99]

Etwas hat sich verändert, seit ich meine Homepage umgestaltet habe. Es sieht so aus, als würden meine selbsttherapeutischen Bemühungen der letzten Zeit ihr Ziel erreichen und ich zu meiner eigentlichen Arbeit kommen können. Worin diese auch immer besteht.


[31.01.99]

Heute hatte ich wieder einen merkwürdigen Traum. Ich ordne ihn den Thema Uniphobie unter, schreiben ihn aber hier auf.

Ich bin an der Uni und soll mit einem Laptop arbeiten. Während ich das Gerät erhalte, sehe ich durchs Fenstern wie vor dem Gebäude ein Offizier einen Soldaten anbrüllt und schlägt. Der Soldat ist blutig im Gesicht und fleht immer wieder: Mein General, verzeihen Sie! Das wundert mich: warum sprechen die deutsch. Vielleicht sind sie von einer deutschen Armee, aber die Uniformen sehen wie russische aus ...

Der Laptop funktioniert nicht, weil ein Kabel raushängt, an dem etwas fehlt ... oder so - ich kenne mich mit den Teile nicht aus. Ich gehe zum Techniker, aber irgendwie komme ich ungünstig. Das übliche blöde Handwerkergequatsche, das damit endet, daß Pause ist und keiner mehr arbeiten darf. Ich wollte mich erst aufregen, ging aber, ohne daß der Laptop repariert war. Irgendwie ist es doch egal, ob so ein Teil funktioniert oder nicht.

Zurück im Seminarraum sehe ich aus dem Fenster. Der General schlägt den Soldaten noch. Der Soldat kann nicht mehr aufrecht stehen. Ich öffne das Fenster und schreie: Du dreckiges Schwein, laß den Soldaten endlich in Ruhe! Die anderen Studenten gingen zu den Fenstern und skandierten: Russen raus, Russen raus.

Ich wachte auf und war ziemlich durcheinander, hatte keine Ahnung, was dieser Traum bedeutet.


[02.02.99]

Habe es immer noch nicht verstanden.

Inzwischen hatte ich noch andere ziemlich wilde Träume.

Und habe die Fotos erhalten, die ich in einer Nacht mit sekundenlanger Belichtung machte. Die sind beeindruckend geworden. Sie geben die warme Stimmung einer durch Straßenlaternen beleuchteten Straße wieder.

Schon mal ein Foto als Vorgeschmack: Blick von meinem Balkon.

Vorgeschmack Nacht

Die Lichtspur stammt von einem Auto, das in die Zetkinstraße einbog.

Ich bin froh über das Gelingen der Fotos, weil ich meinen "Arbeitsbereich", Potsdamer Straßen, Häuser und Briefkästen bei Nacht, gern fotografieren und veröffentlichen würde.


[03.02.99, abends]

Heute befand ich mich in einer sehr komplizierten Situation: ich sehr war wütend (wollte morgens um 4 mein neues Fahrrad zertreten), wußte aber nicht warum. Durch Anwenden kopfdemokratischer Methoden konnte ich mich abhalten, mein Fahrrad zu zertrampelt (habe nur den blöden, quietschenden Ständer, der mich schon eine Weile bei jeden Meter nervt, abgerissen) und herausgefunden, woher meine Wut kam und was sie bedeutete.


[07.02.99, mittags]

Mein Online-Archiv durch einen Beitrag über James Patterson erweitert. Und wie ich dabei wieder dem Traum vom Schreiben begegnete.


[13.02.99]

Die Idee, unsterblich im Internet zu sein, geistert mir schon einige Zeit durch den Kopf. Einen Anfang machte ich in "Was bleibt ...".


[21.02.99]

Gestern habe ich Linux von SuSE ausprobiert. Ich bin beeindruckt!


[28.02.99]

Die Installation verlief problemlos - wenn ich Windows installiere, muß ich mehr Fragen beantworten.

Allerdings kann ich mit Linux derzeit nicht ausschließlich arbeiten, weil ich meine Homepages mit FrontPage erstelle. Ohne den FrontPage Explorer (oder einer ähnlichen Software) kann die Namensänderung einer Seite mehrere Stunden Arbeit nach sich ziehen. Wissen Sie, welchen der unzähligen Links Sie bei mehr als 400 Seiten und Images korrigieren müssen? Ich nicht. Ich müßte alle durchsehen - zumal auf meine Seiten mehr als auf die Homepage (Startseite; Domain) verwiesen wird...

Ein Versuch war es aber wert, wenn ich nicht irgendwann beim Partitionieren unter Linux einen Fehler gemacht hätte. Alle meine Dateien, die ich seit 1992 erstellt habe, sind verloren. Da ich auch nicht auf einem Zip-Laufwerk gespeichert hatte - endgültig.

Einerseits bin ich traurig. Die mehr als rund 2000 Tagebucheinträge waren ein unwiederbringliches Zeugnis - so ziemlich alles, was seit 1992 in meinem Leben passiert ist, habe ich festgehalten.

Andererseits bin ich auch froh, von dieser Last befreit zu sein. Wenn ich vor dem Verlust glaubte, ohne mein Tagebuch nicht leben zu können, weiß ich jetzt, daß ich es kann. Außerdem ist es mir jetzt möglich, nachdem diese fundamentale Dokumentation nicht mehr auf meine Seele drückt, eine andere Sicht auf mein Leben aufzuzeigen.

Im geschützten Tagebuch (war ein Teil des Tagebuches, der nicht von Suchmaschinen erfaßt wurde und nicht über öffentliche Verweise zu erreichen war) haben nur einige meiner Teile ihre Meinung dargestellt. Um sich wichtig zu tun. Oder um andere zu beschäftigen. Die, die wirklich durchsehen, die mein Leben ordnen, sind nicht zu Wort gekommen.

Bestimmte Bereiche meines Lebens wurden so nie erwähnt. Einige sehr wichtigen Erlebnisse ignoriert. Manche bedeutende Gefühle nie ernst genommen. Das werde ich jetzt nachholen. Darin wird mein neues Projekt bestehen ...

Ehrlich, nicht selten dachte ich: Vielleicht hast du den Datenverlust initiiert, um endlich diese Last zu verlieren. So wie Eltern neben Verlust auch Erleichterung empfinden, wenn ihre Kinder das Haus verlassen, so bin ich eher froh über den Verlust als traurig.

[Anmerkung am 24. November 2012, sa, 3:10: Tagebucheinträge von 1992 bis 1998 - sie hätte ich zwischenzeitlich online gebracht. Außerdem fehlen sie mir jetzt hin und wieder, weil ich aus dieser Zeit auch keine anderen Auszeichnungen habe, denn ich schrieb nicht mehr mit der Schreibmaschine, was Texte auf Papier zur Folge hat, sondern nur noch mit dem PC, wodurch die Texte nur digital gespeichert wurden. Schade, die Zeit kurz nach dem Fall der Mauer und meine ersten Jahre als trockener Alkoholiker nachzuvollziehen, wäre interessant.]

[Anmerkung am 25. April 2015, mo, 3:20: Datenverlust - ich habe nur gedachte, ich hätte den Datenverlust eingeleitet, tatsächlich geschah er, ohne daß ich wußte, wie: Plötzlich war auf der Festplatte nichts mehr als das, was ich eben installiert hatte, dabei wollte ich Linux neben Windows installieren, ohne Daten zu löschen.]

Zum Projekt agte.


[03.02.06, fr, 21:15]

Mein Tagebuch von 1992 bis Anfang 1999 war insofern sehr aufschlußreich, weil ich 1992 endlich das letzte Mal Alkohol trank.

Im Frühjahr 1992 war ich rund 12 Monate alkoholfrei, hatte aber einen Rückfall, weil ich zu lange einige Gefühle (u. a. Eifersucht) unterdrückte und plötzlich zum Mörder oder Selbstmörder zu werden drohte.

In diesem Moment hatte ich nur eine Möglichkeit, das Leben andere und mein eigenes zu schonen: ein Bierchen zur Beruhigung.

Das nahm ich dann von Samstag mittag bis Sonntag morgen zu mir.

Nach dieser Erfahrung war mir sehr klar geworden: um meine seelische Probleme muß ich mich kümmern, bevor sie zu stark werden und mich zu zerreißen drohen.

Zwei Jahre später spürte ich das erste Mal eine Sonne in meiner Seele, fühlte, wieder eine Zukunft zu haben.

Diesen Zustand hatte ich bei meiner vorherigen Abstinenz nicht erreicht, weil meine längste Zeit mit 12 Monaten zu kurz war.

[nach oben]