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Mißbrauch

[26.04.99]

Um das, was die Ursache aller meine Sorgen ist, der Mißbrauch, der mir widerfuhr, habe ich mich bis jetzt herumgemogelt. Oder war ich noch nicht bereit? Was ich im einzelnen machen werde, kann ich noch nicht sagen. Was zu Tage kommt, auch nicht. Aber heute beginne ich!

 

Zuerst danke ich einer jungen Frau, die meine psychologische Beratung KopfDemokratie nutzt. Ihr Mut, sich ihrem Leben zu stellen, hat mir Mut gemacht, mich überhaupt mit diesem Teil meines Lebens zu befassen.

Die Newsgroup de.etc.selbsthilfe.missbrauch hat mir dann den letzten Impuls gegeben, dem Thema Mißbrauch mindestens eine Seite in meiner Homepage zu widmen. Einen speziellen Dank an Dani, die sich nicht unterkriegen läßt!

 

Vorbemerkung

Nach den Worten unter der nächsten Überschrift werden Sie vielleicht denken "Was für Rabeneltern hat der denn!" oder "Wieder einer, der über seine Eltern herzieht!". Je nach dem, von welchem Standpunkt Sie meine Ausführungen verfolgen.

Mir geht es aber weder um das eine, noch um das andere.

Meine Nachforschungen zum Thema "Mißbrauch meiner Person" hat immer wieder ergeben, daß sich die Kette der Mißbräuche an mir nur fortsetzte. Das spendet sicherlich keinen Trost und macht auch nichts ungeschehe. Trotzdem wäre es unfair, das zu verschweigen.

Außerdem: bin ich mir sicher, daß ich keinen schweren körperlichen und seelischen Mißbräuchen ausgeliefert war - nach allem, was ich von anderen Betroffenen gehört habe, muß ich das so feststellen. Das weist jedoch nicht auf der Grad der Schäde in mir hin.

 

Warum nun doch dieses Thema?

Wenn ich nach den Ursachen einer meiner Sorgen fahndete, soweit wie möglich zurück ging, um die Quellen zu finden, gelangte ich immer wieder in meine Kindheit.

Als ich mit dem Trinken aufhören wollte, fragte ich mich, warum ich trank, damit ich nicht nur mit dem Trinken aufhörte, was ja meist gar nicht klappt, sondern den Grund meines Trinkens unwirksam machte.

 

Warum trinkst? fragte ich mich.

Weil ich mich nicht traue, ich selbst zu sein.

Wieso traust du dich nicht?

Weil ich immer bestraft wurde, wenn ich ich war.

Wer hat dich bestraft?

Alle.

Wer sind alle?

Mutti, Vati, Oma.

Wer hat damit angefangen?

Mutti.

Wann hat sie damit angefangen?

Ganz früh.

Wer mußtest du sein?

... ein Mädchen ...

Wer noch?

... der Freund von Mutti ...

Noch wer?

... Vatis kleine blonde Freundin ... der Vater meines Halbbruders und der Vater des Mannes meiner Mutter mein eigener Vater der Vater von allen zusammen der Sohn des Vaters vom Vater meines Halbbruders ... reicht doch, oder?

Und ...?

Ich beklage mich nicht. So war ich doch nie allein!

Und was ist alles so passiert?

... weiß nicht ... sagen die Kleinen in mir

... das Übliche ... die Großen

 

Aber was Genaues weiß keiner.

Vielleicht muß ich das auch gar nicht wissen. Oder werde es ohnehin nicht vollständig erfahren. Aber ich darf und werde nicht mehr so tun, als sei das alles nicht gewesen. Ich bin es mir schuldig, zu gedenken. Der Opfer, zu denen ich erpreßt wurde und die ich um meines Lebens willen geben mußte. Glücklicherweise gegeben habe, sonst hätte ich nichts von dem, was ich hatte werden sollen, in mir bewahren können. Ich wäre dann nur noch das, was ich für die anderen gewesen bin. So bin ich das UND das andere. Aber das andere ist nicht nur meins. Das andere sind auch die, die töten könnten. Die haben mich beschützt. Was mache ich jetzt mit denen, mit den Kriegern, die immer mal wieder einen Kampf brauchen?

Aber was Genaues weiß ich nicht.

Ich werde es erfahren. Ich werde alle an einen Tisch holen, und jeder wird jedem zuhören. Und dann werden wir etwas machen, das für alle gut ist. Und gut werden wir alle werden.

 

Das ist der Anfang vom Neuen.

 


[28.04.99]

Heute morgen rief eine Stimme in mir: "Du sollst meine Eltern sein."

Ich dachte, ich höre nicht richtig. Wie bitte? frage ich.

 

Wie bitte?

Du sollst meine Eltern sein, sagte einer meiner Kleinen in mir.

Aber du hast doch Mutti und Vati.

Du sollst meine Mutti sein.

Was ist mit deiner Mutti?

Mutti ist eher ein böser Onkel.

Und dein Vati?

Ein Vati ist tot. Der andere ist eher eine schlechte Mutti.

Und deshalb soll ich deine Mutti sein.

Ja.

Wer ist denn dann dein Vati?

Du.

Also bin soll ich doch deine Eltern sein.

Ja. Und jetzt möchte ich Kuchen mit Rand. Den will ich unten am Wasser essen.

 

Ich kaufte ein Stück gefüllten Butterstreusel mit Rand, machte in der Zeitungstour eine Pause und ging runter zum Wasser.

Als ich den Kuchen aß, ging der Kleine. Der Kuchen war ihm zu süß ...

 

Auf einiges, was mir im Leben geschehen sein könnte, werde ich vielleicht über das Erkunden meiner inneren Familie erschließen: Meine innere Familie.

 

Siehe auch: Initiative Gegen Mißbrauch! und Nach der Mißbrauch-Seite.


[23.10.00]

Heute war ich auf der Homepage Selbsthilfe-Missbrauch.

Zwei Sätze, die Celli, die Betreiberin der Homepage geschrieben hat, gaben mir zu denken:

Und jetzt kommt vielleicht auch noch die alte Schiene mit rein, daß ich eh nicht 'nein' sagen darf und lieber freiwillig mache, wozu ich später gezwungen werden könnte.

Ich kann einen Mann noch so lange kennen, ich habe immer Angst, wenn ich abends in seine Wohnung gehe. Ich habe aber KEINE Angst, wenn er bei mir ist! Und da sind wir dann auch alleine...

 

Der zweite erinnert mich an meine Zeit in der Bodenkammer in Crimmitschau (siehe Bodenkammer und Vision Bodenkammer).

Ich bin heute noch stolz auf mich, daß es mir gelang, meine Mutter zu überzeugen, es sei besser, wenn ich mich nachts in der Bodenkammer einschlösse.

Ursprünglich wollte sie den Schlüssel zur Bodenkammer an sich nehmen, damit ich sicher sei vor den Besoffenen (wir wohnten über einer Kneipe), aber ich sagte ihr, wenn ich nun in der Nacht raus wollte, käme ich nicht. Dann sollte ich die Tür auflassen ... aber die Besoffenen, meinte ich ... so bekam ich den Schlüssel und konnte die Bodenkammer von innen abschließen. Das waren die schönsten Momente meiner Kindheit: ich ganz allein für mich, ohne daß mich jemand stören konnte.

So ist es in meiner Erinnerung. Heute wird mir klar, daß dieser "jemand" meine Mutter war.

 

Siehe auch Selbstmißbrauch.

 

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