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Andreas Thieme privat - Arbeit

[11.09.99]

Als ich 1988 den Anfang von Aragons "Das schwarze Heft" (aus dem Band "Wahr-Lügen) las, sprach er mir aus dem Herzen:

"Arbeiten hat mich schon immer gelangweilt. Aber um die Vierzehn herum begriff ich, daß ich dafür auch gar nicht geschaffen war."

Ich habe allerdings später gemerkt, daß ich fürs Arbeiten nicht geschaffen war. Mit 14 machte Arbeiten, zum Beispiel die Schülerarbeit während des Produktionsunterrichtes, oder wie das damals hieß, noch Spaß! Aber was wußte ich mit 14 schon von mir?

Irgendwie galt man ja auch nicht als normal, wenn man äußerte, man brauchte das Arbeiten nicht, weil es doch auch diente, die Persönlichkeit zu formen. Aber das wird wohl immer nur denen gesagt, die ohnehin arbeiten müssen ...

Als ich Anfang der 1990er Jahre arbeitslos war, dämmerte es mir, daß ich auch ohne Arbeit sehr gut leben kann. Besser als mit. Nicht allerdings ohne Geld!

Zu Beginn meiner Arbeitslosigkeit glaubte ich, mich zu verlieren, wenn ich nicht mehr aufstehen müßte, wenn niemand mehr mir einen Lebensrhythmus befahl. Aber ich kam, nach Anlaufschwierigkeiten, sehr gut zurecht. Ich fühlte mich auch nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen, ausgestossen oder minderwertig. Ich fühle mich sehr frei. Endlich konnte ich machen, was ich wollte. Endlich konnte ich mich richtig um mich kümmern. Damals hörte ich mit dem Trinken auf... (siehe Gesundung)

Nur der Gang zum Arbeitsamt paßte nicht zu meinem Leben - aber zweieinhalb Jahre habe ich es doch geschafft. Und bevor ich mich auf dem Bau als Hucker hätte versuchen müssen, fing ich in Herrn Luxenburgers Wäscherei an, was mich in eine interessante Welt einführte.